Einen Tulamiden spielen

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Jackob
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Ungelesener Beitrag von Jackob » 03.06.2020 10:05

Wow.. Das ist mal eine umfangreiche Darstellung. Gefällt mir sehr gut :)


kleine Frage:
Shirwan hat geschrieben:
13.05.2019 22:59
Käufer: Friede mit euch, ehrenwerter Herr! Ich hoffe ihr seid nicht erschöpft von den Mühen des Tages.
Verkäufer: Habt vielen Dankt für eure Sorge.
Käufer: Sagt edler Herr, wie viele Silbertaler sind euch genehm um diesen Pokal von euch zu erwerben?
Verkäufer: Dieser Pokal ist eurer nicht wert. Bitte nehmt ihn als mein bescheidenes Geschenk an euch.
Ich sehe meine Helden hier einschlagen. "dankeschön"

Würden die Händler dann darauf eingehen, sie aufklären oder es fremdlingen überhaupt nicht erst anbieten?

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Shirwan
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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 03.06.2020 11:08

Das kommt tatsächlich darauf an.
Als ich das erste Mal ohne meine Eltern mit meinem Großvater "alleine" im Iran unterwegs war, kannte ich diese Sitte selbst nicht (ich war damals so 5-6 Jahre). Überall hat man mir die Sachen genauso angeboten und ich habe sie mitgenommen. Abends habe ich meinen Eltern freudestrahlend erzählt wie nett alle hier doch sind, was diese natürlich köstlich erheiterte. Als ich meinen Großvater einige Jahre später dazu befragte, kam raus, dass er im Hintergrund das meiste bezahlt hatte, teilweise einigte man sich in stiller Übereinkunft, dass er später zahlen würde und einige schenkten es dem "kleinen Jungen aus dem Ausland" einfach so gerne. Großzügigkeit, gerade gegenüber "Fremden", wird einem vergolten, davon sind viele einfach überzeugt.

Deswegen gibt es auch viele Optionen was passieren könnte:
Handelt es sich um eine Kleinigkeit (und sind "Fremde" in der Ortschaft eher selten) wird man diese der fremden Person schenken (und vielleicht bei Fremden zukünftig etwas vorsichtiger sein). Ein wenig ist das auch Eigenwerbung, da die anderen Händler oder Einheimischen sehen, welche Großzügigkeit der eine Händler aufweist, um die Sitten zu ehren. In dem Fall ist es auch gar nicht unüblich den oder die Fremden einzuladen und sich kulturell auszutauschen (die Sitten sind ja verschieden, das hat man ja eindringlich bewiesen). Evtl. wird man dann subtil, ohne das es wie ein Vorwurf klingt, über diese Sitte aufgeklärt.
Kommen häufig "Fremde" in die Stadt, bspw. in Khunchom, wird man vor dem Angebot vielleicht einige Sicherheitsfloskeln abfragen, bevor dieses Angebot unterbreitet wird, damit man weiß, dass der Gegenüber mit diesem Brauch vertraut ist. Es gibt einige Floskeln, auf die gibt es eine festgeschriebene Antwort, das hat schon was Zeremonielles. Kennt der Gegenüber, diese Floskel nicht, dann weiß man, dass der Gegenüber nicht mit den hiesigen Sitten vertraut ist und unterbreitet diese Angebot dann ggf. erst gar nicht.
Handelt es sich um ein wertvolles Gut und möchte man das nicht verschenken und ist das Kind in den Brunnen gefallen, hält man die Hand vor und versucht den "Patzer" des Gegenübers durch einige "deutlichere" (für tulamidische Verhältnisse) Andeutungen auszugleichen (dieses Werkstück ist eine Zierde thalusischer Handwerkskunst, es nicht mit lauteren Silber im Wert auszugleichen, käme eine Beleidigung jedes ehrlichen Handwerkers gleich). Reagiert der Gegenüber dann immer noch nicht oder pocht gar auf "sein Recht", das kostenlos zu erwerben, dann wird man ihn wohl aufklären müssen.

Anbei noch einige weitere Floskeln, die ich für die überarbeitete Spielhilfe aktuell erstelle:
Liebste Muhme, mit einigen kostbaren Geschenken, habe ich mir die Gunst eines der hiesigen „Edelmänner“ erkauft, ihn auf Schritt und Tritt begleitet und tagein, tagaus die Sitten dieses seltsamen Volkes studiert. Wie du schon ahntest, scheint es einen festgeschrieben Ablauf zu geben, von dem ich dir nun gerne berichten werde. Der Anfang ist abhängig davon, wer wen zuerst anspricht. Ist dies der Käufer so grüßt er mit „Ich hoffe ihr seid nicht allzu erschöpft, ob all der Mühen des Tages“ „Mein Leben als Opfer eurer Tugend.“ (Ja, so reden die hier!) „Mögen die Götter dies verhindern, Gebieter des Anstands. Was darf ich euch für dieses kostbare Kleinod geben?“ „Das ist eurer nicht wert. Bitte nehmt dies als mein bescheidenes Geschenk an euch“ „Habt Dank, möge Feqz eure Großzügigkeit neunfach im Guten vergelten.“ Ich war hier schon drauf und dran, nach dem Gegenstand zu greifen, als es erst so richtig anfing: „Es ist nichts, wenn es euch beliebt, dann zahlt das nächste Mal.“ „Eure Freundlichkeit lässt mich in Scham zurück, doch der Gläubige beschämt seinen Gott nicht durch ein zu geringes Opfer.“ „Euer Besuch erhellt meinen bescheidenen Laden, dies soll mir Lohn genug sein.“ Während ich schon die Augen verdrehte, wurden die beiden erst richtig warm „Habt ein Einsehen und lasst mich nicht mit der Scham der Schuld diesen Hort des Anstands verlassen.“ „Nun, wie könnte ich, euer ergebenster Diener, einen Wunsch ausschlagen. So erbitte ich 6 Dinar, wenn ihr darauf besteht.“ Als nun mein Begleiter zwei Dukaten auf den Tisch legt und mit „Möge mein Blick, über euren Gang wachen“, sich verabschiedete, da begann erst das eigentliche Feilschen. Ich bin immer wieder erstaunt mit wieviel Umschreibungen man jemand anderen beleidigen kann, ohne eine Beleidigung auszusprechen. Wahrlich diesen Tulamiden kommt selbst beim Beleidigen kein wahres Wort durchs Maul. Nachdem man sich ausführlich beleidigt und auf drei Dukaten geeinigt hatte, da war ich noch verwunderter, als man in schallendes Gelächter ausbrach und der Händler uns in sein Haus einlud. Nun ich will mich nicht beschweren, das Essen das uns serviert wurde, war eins der besten das ich je genießen durfte und mehr wert als der Händler verdient hatte. So richtig schlau werde ich wohl nie aus diesen Leuten werden und freue mich bald wieder nach Hause kommen zu dürfen. Dein dir ergebener Neffe Ulfried.
Ulfried Hullheimer, garetischer Händlersohn, neuzeitlich

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 07.06.2020 23:54

@Timonidas Ich hab noch mal über die tulamidischen Mystiker nachgedacht und bin da noch weiter dran (vielleicht ist ja was Interessantes für dein Projekt dabei).

Der Fokus liegt dabei auf Feqz und Radscha. Als Vorlage habe ich den Sufismus genommen. Natürlich erfolgten starke inhaltliche Anpassungen. Ausserdem kenne ich mich abseits derer lyrischer Werke eher schlecht als recht aus, so dass häufiger auch mal Wikipedia und Co. aushelfen mussten :/ und zuletzt musste ich noch einige Stilblüten der Redaktion wie Dämonenbeschwörung und Götterglauben etc. verwurschteln. Anbei meine ersten Ideen, ich hoffe es liest sich dennoch konsistent:



Mystik

Wo die Liebe ist, gibt es kein Ich. Für die Geliebte ist alles nur das Du.
Der Weg zur Göttin ist der Verlust des Selbst.
Erfreue dich, meine Göttin, an deinen Liebenden!
Geheiligt sei ihr Tod! Ein Festschmaus sei deine Schönheit für sie!
In deiner Glut mögen wie Weihrauch ihre Seelen brennen.
-In Anlehnung an Dschalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī, persischer Sufi-Mystiker

Viele tulamidische Geweihte sind Anhänger einer mystischen Interpretation ihres Glaubens, und auch wenn es viele verschiedene Glaubensrichtungen und Götter gibt, so gibt es dennoch auch Gemeinsamkeiten die bei den meisten Kulten auftreten.
Ziel eines Mystikers ist es zu Lebzeiten mit seiner Seele eins mit seinem Gott zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen ist es notwendig sein inneres Selbst überhaupt zu erkennen, es von den „irdischen Fesseln“ zu lösen und mit seiner Seele den Weg zum Göttlichen zu beschreiten. Der Mystiker denkt nicht, dass er gerade einen Aspekt seines Gottes wahrnimmt, sondern dass Gott und Aspekt eins und gleich sind, dass sein Gott da ist, wo sein Wirken ist. Und so wie sein Gott überall ist, so will auch er mit seiner Seele mit ihm verschmelzen und Bestandteil des Kosmos sein.

Es ist schwer sich vorzustellen, eins mit Feqz zu sein, lehrt er uns doch stets unseren eigenen Pfad zu beschreiten, dass zu nutzen, welches das Licht des Juwels unserer Seele erst ausmacht. Doch wenn du verstanden hast, dass der Nachthimmel sich von der Finsternis erst durch das Licht der Gestirne unterscheidet und dass das reine Licht des Nachthimmels aus der Summe aller Gestirne besteht, dann wirst du verstehen, dass Stern und Nachthimmel gleich sind und dennoch nicht dasselbe und dass das eine ohne den anderen nicht sein kann ohne den Wert beider zu mindern.
- Ein verhüllter Nachtschatten zu seinem Schüler, Rashdul, 999 BF

So wie der Wind in dieser Welt
er bläst und hebt den Rand des Teppichs
und die Matten werden unruhig und bewegen sich.
Er wirbelt Abfall und Strohhälmchen in die Luft,
lässt das Wasser des Teiches wie einen Kettenpanzer aussehen
und Zweige und Bäume und Blätter tanzen und löscht die Lampen.
Er lässt das halb verbrannte Holz aufflackern und schürt das Feuer.
All diese Zustände erscheinen unterschiedlich und verschieden;
doch vom Gesichtspunkt des Objekts und der Wurzel und der Realität sind sie nur eines, denn die Bewegung kommt von einem Wind.

-Rumi

Von den Zuständen der Seele
Alle Mystiker sind sich einig, dass die Verschmelzung mit seiner Gottheit ein langwieriger Prozess ist, in dem die Seele verschiedene Stadien durchläuft. Wie viele und welche Stadien dies sind, darüber ist man sich dagegen weniger einig. Es gibt jedoch einige Zustände, die auch hier in fast allen Religionen vorkommen und damit das Grundgerüst bilden und durch kircheneigene Zustände dann ergänzt werden. Die kirchenunabhängigen Zustände der Seele sind:
  • Nafs al’Ammara: Die Seele die zum Übel anstiftet. In diesem Zustand ist das Lebewesen völlig seinen Gelüsten und seiner Gier verfallen und wird durch diese kontrolliert. Viele Kirchen weigern sich hier überhaupt noch von einer Seele zu sprechen oder vergleichen diese Seelen gar mit Dämonen. Allgemein geht man davon aus, dass Paktierer, die ihren Willen verloren haben diesen Seelenzustand erreicht haben. Einige Kirchen behaupten jedoch, dass wenn man die Gier dieser Seele nutzt und für gute Zwecke einsetzt, die Seele wieder reingewaschen und zu einer Nafs al’Lawwama aufsteigen kann. Eine gerade bei Dämonenbeschwörern sehr beliebte und verbreitete Lehre.
  • Nafs al’Lawwama: Die tadelnde Seele. In diesem Zustand ist man immer noch Opfer seiner Gier und Gelüste, ist sich aber seines Fehlverhaltens bewusst und ist zu Zeiten bemüht, diese zu bekämpfen. Der Kampf gegen dieses innere Selbst, ist ein zentraler Bestandteil des mystisch orientieren Glaubens. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass die einfache Bevölkerung diesen Seelenzustand innehat.
  • Nafs al’Mulhima: Die inspirierte Seele. Diese Seele hat mindestens einmal eine intensive Berührung mit der Göttlichkeit erfahren. Durch Übung ist es ihr möglich diesen Zustand erneut zu erreichen, aber es bleibt nur bei einer Berührung und keiner Vereinigung. Allgemein geht man davon aus, dass alle Geweihte mindestens diesen Seelenzustand erreicht haben.
  • Nafs al’Mutma’Inna: Die zufriedene, die befriedete Seele. Wer diesen Zustand erreicht ist im Wesentlichen vor seinen Gelüsten und seiner Gier gefeit und kann sie bewusst kontrollieren. Durch intensive Einblicke in die Göttlichkeit ist die Seele von der Göttlichkeit, die überall wirksam ist, überzeugt und sein Gottvertrauen nimmt ihr die Angst. Wer diesen Zustand erreicht, so sagt man, steigt nach seinem Ableben in das Paradies seines Gottes auf.
  • Nafs as’Safya: Die reine Seele. Dieser Seelenzustand ist eher Gegenstand von Legenden und wird nur sehr wenigen lebenden Menschen nachgesagt. In diesem Zustand ist die Seele völlig eins mit ihrem Gott, immer und zu jeder Zeit. Allgemein wird dieser Seelenzustand Auserwählten, Alveraniaren oder wahrhaft Heiligen nachgesagt.
Von den Pfaden der Spiritualität
Von allen Menschen dieser Welt gelang es nur einem Feqz näher zu sein, als Mharbal al’Tosra, die neunfach gepriesene Stimme des Mondes. Al’Tosra war einst selbst ein Erhabener Fasars, doch auf seinem Pfad zu Feqz ließ er alle materiellen Güter und auch seine Macht über die altehrwürdige Stadt hinter sich. Wer der eine ist, der Feqz noch näher ist? Nun er ist denn letzten Schritt gegangen, den Al’Tosra noch nicht gegangen ist und ist nun verborgen wie der Neumond, Fremder…
-Gehört auf dem Basar in Al‘Suq (Fasar) 1026 BF

Ist man sich schon bei den verschiedenen Stadien uneinig, werden über die Pfade, wie man diese Zustände erreicht, wahrhaft hitzige Diskussionen geführt. Der häufigste Pfad besagt, dass man weltlichem Besitz entsagen muss, um die diesseitigen Fesseln zu lösen. Auch gibt es Stimmen, die behaupten sich aus größeren Gemeinschaften zurückzuziehen und bspw. in entlegenen Bergklöstern Spiritualität zu erlangen, aber auch hier gibt es Gegenstimmen, die das genaue Gegenteil fordern, die postulieren, dass Glaube erst durch praktisches Handeln gelebt werden kann:

Im Namen des Feqz, der reinen Seele und des Verstands. Als die Welt noch jung und die Götter uns nah waren, da schenkten die Götter einem jungen Paar zwei Söhne, die an Anmut, Kraft und Verstand ihresgleichen suchten. Und sie wuchsen heran und ihre Kraft wurde nur von ihrem Verstand, weit wie der Nachthimmel, überflügelt. Doch der eine Brüder Soheil gerufen, wollte die irdische Welt hinter sich lassen und stieg herauf zum heiligen Berg Djer Tulams, um den Götter so nah zu sein, wie die ersten Menschen es waren. Und sein Geist weitete sich und er gebat über die Stürme und Felsen. Sein Geist war von solcher Heiligkeit erfüllt, dass allein sein Wort einen Ifriit bezwang und dieser ihm fortan als Reittier diente. Von allen Lastern dieser Welt befreit, wollte er seinem geliebten Bruder das gleiche widerfahren lassen und stieg hinab, wo sein Bruder mittlerweile ein angesehener Schmuckverkäufer geworden war. Und die Menschen verbeugten sich vor ihm, der so augenscheinlich von der Macht der Götter erfüllt war und dem sich selbst die Ifritiim unterwarfen. Als sein Bruder ihn erblickte, da füllten heiße Tränen ihm sein Gesicht und er küsste ihm die raue Hand und Wangen und bat ihn Gast zu sein in seinem Haus. Er bat ihn nur kurz acht zu geben, die Kostbarkeiten seines Geschäfts zu hüten, dass seine Frau dem Bruder ein Mahl bereite dass ihm würdig sei und war schnellen Schrittes entwunden. Soheil erblickte all die Schätze, die das Dunkle des Raums in buntes Licht hüllten und ihm war als entschwanden ihm die Sinne. Kaum hatte er sich an diesen Anblick gewöhnt, da trat eine Frau ein vom Wuchs einer Zypresse, deren Lippen vom Feuer des Sonnenaufgangs gezeichnet waren und sie bat Anteil zu haben an der Schönheit des Geschmeides. Und als er, der auf Steinen genächtigt hatte, ihre Haut weich wie das Blatt einer Rose berührte, da flog der Vogel seines Verstands in den weiten Himmel hinfort und er beschenkte sie reichlich mit feurigem Geschmeide, um das Licht ihrer Erscheinung zu mehren. Doch als sie fort war, da bemerkte er, welch treuloser Bruder er doch war, der seine Gelüste mit dem Wohlstand seiner Familie bezahlt hatte und Scham ergriff ihn. Seine Heiligkeit war entschwunden und auf der Straße vernahm man Gebrüll und Angstgeschrei, denn der Ifriit war nun keiner Heiligkeit Unterworfener mehr und fiel über die Bevölkerung her. Es war das Wirken des anderen Bruders, dass keiner zu Schaden kam und der Ifriit wieder in die Finsternis entschwand. Als er seinen beschämten Bruder antraf, da nahm er ihn in den Arm und sprach: Schau in Zukunft nicht auf deinen Bruder herab, der sich ein jeden Tag den Versuchungen dieser Welt stellt. Es fällt leichter den Versuchungen zu entsagen, wenn man ihnen nicht täglich ausgesetzt ist, doch nun lass uns speisen, denn der Mensch findet Erfüllung im Beisein der Götter doch einen vollen Magen im Kreise seiner Liebsten.
-Alte Erzählung tulamidischer Feqzanhänger

Allgemein wird viel darüber philosophiert, ob es zweckdienlich ist, wenn man nur für sich Spiritualität erlangt oder auch andere daran teilhaben lassen soll (von Letzterem sind die meisten Radschagläubigen überzeugt) und ob es gar lohnenswert ist, die höchsten Stufen der Seele im diesseitigen Leben zu erlangen (was viele Pragmatiker bezweifeln). Einig ist man sich darüber, dass man die höheren Stufen der Seele nur dann erreicht, wenn man weder aus Angst vor der Verdammnis noch aus der Erwartungshaltung ins Paradies zu gelangen, handelt. Denn die Motivation sollte immer aus der Liebe zu seinem Gott und seinen Prinzipien entwachsen. Viele Mystiker sind realistisch genug und sich auch bewusst, dass sie die höchste Stufe nie erreichen werden, was sie aber nicht als Makel empfinden.

Und noch als Beschreibungstext zur Intitiation (Beispiel steht ja oben)

Die Initiation
Die Initiation ist für viele Menschen das erste bewusste Mal, wo sie selbst Ziel göttlichen Wirkens sind. Sie ist nicht nur ein formaler Akt der Aufnahme in die Gemeinschaft der Gläubigen, nein sie geht einher mit dem ersten intensiven Kontakt des Gläubigen mit seiner Religion. Häufig geht neben der religiösen Aufnahme, die nächste oder gar erste Stufe der beruflichen Ausbildung und die die nächste Stufe der Trennung vom Elternhaus einher. Das Kind wird damit nicht nur Teil der religiösen Gemeinschaft, sondern der öffentlichen Gemeinschaft als solches. Deswegen ist es vielen Geweihten neben der religiösen und moralischen Unterweisung wichtig dem jungen Initianden den Einstieg als vollwertiges Mitglied in die Gemeinschaft zu erleichtern und ihn deswegen diesbezüglich zu beraten. Im Vorfeld des eigentlichen Rituals werden hierfür intensive Gespräche geführt und in einem gesonderten Unterricht die Inhalte des eigenen Glaubens und grob der der anderen Kulte vermittelt.

Der Tisch des Schicksals – Zofrehe Zarneweshtie
Durch die überragende Bedeutung des Feqzglaubens, aber auch durch seinen lustigen und geselligen Charakter hat sich das Ritual der Initiation des Feqzglaubens auch bei den anderen Kulten durchgesetzt. So ist es heute nicht verwunderlich, dass die meisten Kulte die Grundstruktur des Rituals übernommen haben, aber durch individuelle Elemente an die eigene Gottheit anpassen. So ist es bei der Radschakirche Brauch, dass die Geweihte den (eingepackt, verhüllten) Gegenstand dem Initianden schenkt und dieser sich diesen nicht selber vom Tisch nimmt, um symbolisch auszudrücken, dass Radscha die größte „gebende“ Göttin ist.
Zentrales Element ist, wie so häufig im tulamidischen Glauben ein Tisch, der sogenannte Zofrehe Zarneweshtie, der Tisch oder das Gedeck des Schicksals. Auf diesem werden verschiedene Gegenstände platziert, die dem Initianden nicht bekannt sind und er erlangt auf die eine oder andere Weise einen dieser Gegenstände. Üblicherweise werden die Gaben vom gesamten Dorf oder einem edlen Spender gestellt. Die Zeremonie findet im Tempel oder auf dem Dorfplatz statt und es ist üblich mehrere Initianden am dritten, neunten oder dem Gott gefälligen Tag des Monats zu initiieren. Am eigentlichen Tag kommen nahe Familienange-hörige dazu, meistens wird abends gemeinsam gefeiert oder gespeist, auch Geschenke für den Initianden sind weit verbreitet. Es ist nicht unüblich, dass Schüler noch einmal ihr Verhältnis zu ihrem Lehrmeister an diesem Tag besiegeln (oder gar einen gänzlich neuen Weg einschlagen). Wenn der Initiand den Gegenstand erlangt, dann muss er argumentieren, was dieser Gegenstand mit seiner Zukunft gemein hat. Häufig wird hierbei der gewünschte Beruf vorgestellt. Im Sinne des Feqzglaubens, darf der Initiand aber sein Schicksal nicht einfach so hinnehmen, sondern muss das Beste aus ihm machen. Erlangt er einen Stein, so kann er ein einfacher Steinschlepper, Bergarbeiter, Steinmetz, oder aber auch ein Bauherr werden. Es kann aber auch sein, dass er eines Tages von einem Stein erschlagen wird. Wichtig ist, dass obwohl er Neigungen und Talente besitzt, er am Ende immer selbst verantwortlich für sein Handeln und seinen Erfolg ist. Dies muss er der Gemeinschaft unter Beweis stellen, in dem er möglichst kunstvoll oder mit viel Wortwitz eine möglichst glorreiche Zukunft, basierend auf dem erlangten Gegenstand, argumentiert. Ahnt der initiierende Geweihte eine besondere Eignung im Dienst seiner eigenen oder einer befreundeten Gottheit stellt er einen zur Gottheit passenden Gegenstand zur Verfügung und vertraut auf den Willen des Gottes, dass dieser den Initianden zum Gegenstand führt. Feqzgeweihte erlauben sich meistens einen Spaß mit dem angehenden Füchsling und führen ihn zu einem möglichst unansehnlichen Gegenstand. Genauso kann es aber sein, dass sie erst nach der geschickten Argumentation des Gesegneten auf ihn aufmerksam werden.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 08.06.2020 12:07

Heute ist meine virtuelle Feder wohl recht ergiebig :lol:

Von den Praktiken der Mystiker
Eine größere Einigkeit herrscht wieder bei den Praktiken, die man auf dem Weg beschreitet, auch wenn natürlich konkrete Inhalte je nach Glauben variieren. Diese Praktiken oder meditativen Übungen bezeichnet man als Sekr oder Dikr (Gedenken) und unterteilt sie in drei Kategorien:
Sekr des Verstands oder Sekr des Herzens: Hier erfolgt das Gedenken in einem inneren Zwiegespräch und leiser oder gänzlich stillen Meditation.
Sekr der Zunge: Hier löst der Betende seine Fesseln durch lautes Ausrufen oder gar harmonischen Gesang. Durch gezielte Atemtechniken und lautes Ausrufen versetzt der Betende sich in einen meditativen Zustand. Während das Sekr des Verstands in der Regel alleine begangen wird (auch wenn das nicht verpflichtend ist), wird das Sekr der Zunge (sowie das Sekr der Harmonisierung) öfter auch in einer Gruppe ausgeführt. Manche sprechen dann allerdings von einem separaten Sekr, dem Sekr der Gemeinschaft. Beim Sekr der Zunge ist es nicht unüblich Namen, Titel oder Umschreibungen des Gottes auszurufen, da die Heiligkeit des Namens die Seele reinwaschen und der Gottheit näher bringen soll.

Da saßen sie im Schneidersitz im Kreis und einer von ihnen, ich glaube es war ein Geweihter, sang in vielen langgezogenen Silben in einer mir unbekannten Sprache. In regelmäßigen Abständen sangen die anderen mit ihm und jedes Mal wenn dies geschah, war als wäre ihre Anzahl dutzendfach. Dabei wogen sie ihre Körper wellenförmig im Gleichtakt zum Sprechgesang und es schien als würde diese Welle durch die Leiber der Betenden gehen. Es dauerte nicht lange und einige Mitbetende begannen selbst Verse zu flüstern, so als wären sie in Trance. Und auch wenn sie etwas völlig anderes von sich gaben, so war es, als würden der Gesang des Geweihten, die Stimmen der anderen als Stufen nutzen, um eine unbekanntes, hochliegendes Ziel auf einer Pyramide zu erreichen. Immer wenn der Name Rondras fiel, zumindest hörte sich der Name ähnlich an, da senkten sie ihr Haupt zur Mitte hin und auf ihrem Rücken war ein Muster eingezeichnet, das sich erst durch die Anwesenheit aller Betenden vervollständigte. Wenn dies geschah und sie sich wieder erhoben, da schlugen sie mit der flachen Hand auf ihre Brust und ein Donner ging durch den Raum, der Göttin zum Gefallen. Zugleich fing ein neuer Zyklus an, der immer höher zu gingen schien. Mir war ganz ungewöhnlich zu Mute, so als wäre eine fremde Präsenz im Raum und ich nicht mehr der Herr über mich selbst. Und dennoch, so fremd sich diese Präsenz auch anfühlte, genauso „richtig“ und stark fühlte sie sich an. Als ich am nächsten Tag zusammen mit den Betenden gegen die Räuber die das Dorf heimsuchten vorging, da war mein Herz ohne Furcht und der Sieg uns gewiss.
-Wulfban, aranischer Söldner nach einem Auftrag für ein mhanadastanisches Dorf, 1030 BF

Sekr der Harmonisierung: Bei dieser Technik versucht der Betende Geist und Körper zu harmonisieren, um sich dann in einem zweiten Schritt von seinen irdisch körperlichen und irdisch geistigen Fesseln gemeinsam zu lösen. Die Rituale des Sekr der Harmonisierung entstanden erst nachträglich aus den beiden anderen Sekrs und so finden sich viele Bestandteile auch in diesem Sekr wieder (bspw. eine meditative musikalische Untermalung bei Gruppenübungen). Das Sekr der Harmonisierung ist bei den kämpferisch orientierten Betenden fester Bestandteil des Glaubens und hat deswegen verschiedene Ausprägungen erfahren, die alle auf diese gemeinsame Wurzel zurückzuführen sind. Gerade aus dem tulamidischen Feqzglauben heraus entstand so der Schattenkampf, wie er auch im Sur-Khaneh (entstanden aus dem Sekr der Zunge) oder alleine (Sekr des Verstands) praktiziert wird. Aber auch der Tanz der Mada, der nicht umsonst Ähnlichkeiten zum Schattenkampf aufweist, beruht auf diesem Sekr.

Das Sekr in den verschiedenen Kulten
Sekr-e Feqz

Der Pfad zu Feqz mein Schüler ist jedes Mal ein anderer und nur du kannst deinen Weg zu ihm finden. Öffne deinen Geist erfahre das göttliche Wirken unseres Herrn. Mein Weg führt hierfür über die Mittel die Feqz mir gegeben. Wie könnte ich den Weg des Sternenlenkers denn besser ergründen, als durch jene Wegweiser, die die Finsternis aus der Welt vertreiben. Und ich beginne zu erkennen, dass die Zahl der Wandelsterne ist 3x3. Und ich beginne die Wandelsterne in Beziehungen zueinander zu setzen, welche sind 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 und 1 Beziehung. Und ich erkenne dass der Herr es gefügt, dass es sind 36 Beziehungen, was in der Quersumme ist 9 und dass die 36 ist 4 x 9. Und ich beginne mich zu fragen, warum die Beziehungen dieser Welt die harmonische 9 sind, nach der 4 verlangen und alle Bestandteile, sei es die 4, die 9 oder die 36, im Quadrat stehen. Und ich frage mich, welchen Einfluss die Kinder des Feqz, welche sind 3, am Nachthimmel auf das Gefüge dieser Welt haben.

Wenn du dem Pfad der silbernen Sichel folgst und im Licht der lauteren Tochter unserem Herr nahe sein willst, da reinige erst deinen Körper, ehe dein Geist ihm folgen kann. Salbe ihn im Extrakt des Blauhimmelssterns oder Sternanis, die deinen Körper stärken und Gebrechen abwenden werden. Kleide dich dann weiß und verdecke jenes Weiß mit einem schwarzen Mantel, so wie die Nacht es mit dem Tag zu tun pflegt. Lege einen kreisförmigen Teppich auf den Boden und stelle dich auf ihn. Dieser Teppich soll die Welt darstellen auf der du geboren und die zu durchschreiten dir die Götter gewährt haben. Streue dann den Mondsilberstaub, über jenen Mantel und hebe deine Klinge, die stets so wie die schmale Sichel der lieblichen Tochter, gekrümmt zu sein hat. Führe die Spitze zur Lichtspenderin, auf dass ihre Macht deine Klinge und damit dich durchdringe. Deine andere Hand spreize über den Teppich und erstaune wie deiner Hand und des Lichts Werk, die Finsternis in Schatten wandeln. Dies mag dein Handeln auf der Welt bewirken, wenn die Macht des Herren Körper und Herz durchdringt. Öffne nun deinen Geist und richte ihn auf der Schönheit lieblich Tochter. Wie dein Geist von göttlicher Macht durchdrungen werden kann, fragst du dich sicher, Dieb der Antworten. Lausche der Wahrheit meines Meisters, die zu übertreffen mir süßes Ziel sein soll: Nur wenn das Wasser ist wie ein Spiegel, kann es den Mond anschauenR. Sind nun Geist und Leib und Herz von der Macht des Vaters und der Tochter durchdrungen… Lasse stets Sorgfalt bei all deinen Vorbereitungen walten, denn für versäumte Taten gibt es weder im Tod noch im Leben Wiederkehr… Entfessle neun Mal den Sturm der Elstern, die deine Gaben gen Himmel entsenden sollen. Ein jedes Mal nenne einen seiner geheiligten Namen und bemühe dich stets nicht allzu viel des Mondstaubs auf einmal dem Herren zu opfern… Öffne die müden Silberaugen der Nacht und folge dem Tanz der Sternenjungfern, wie sie der Himmelsprinzessin huldigen ohne ihr gleich zu sein und wenn sie versunken sind Feqzens Glanz auf der Welt mehren sollen… Übe dich in dieser Technik so oft wie möglich. Und du wirst bemerken, dass ein jedes Mal, wenn du im Kampf einer der Bewegungen, die ich dir genannt, ausführst, du dich daran erinnerst als Feqz deinen Leib, Geist und Herz durchdrungen hat und Sicherheit und Zuversicht wird dich begleiten und dir treue Gefährten im Kampf sein.


Sekr-e Radscha
Wenn meine Laute euch silbern klingt
Mein Geist dem Rausch entgegenspringt
Dann bedenkt des Verses Quell
Der Wein sich zur Liebe gesell‘
Die Göttlichkeit der Liebe zu begreifen.
Du kannst die ganze Welt umstreifen
Kein bessres Maß du finden wirst,
Als der Liebsten Lieb dir das Herz zerbirst
-Rahjafez Shemseddin, Radschamystiker und Dichter, übersetzt aus dem Ur-Tulamidya . Irdisch in Alehnung an Hafes.

Radscha ist für die Tulamiden die Herrin des Rauschs und so kann eine Annäherung zu ihr, der Weg zur göttlichen Ekstase nur durch den Rausch führen. Nicht wenige Radschagläubige sind gar der Ansicht, dass dies den einzigen Weg zu einem Gott darstellt und zwar unabhängig von der Gottheit selbst. Deswegen versuchen sie auch anderen Geweihten zu helfen, den Weg durch den Rausch zu beschreiten und sie bspw. vor den negativen Auswirkungen bewusstseinserweiternder Substanzen zu schützen. Da Rascha als die gebende Gottheit schlechthin unter den Tulamiden zählt, ist es üblich, andere Menschen an diesem Rausch teilhaben zu lassen und so werden häufig Sekrs der Gemeinschaft ausgeführt. Vielen Geweihten fällt es, wie im obigen Gedicht angedeutet, leichter den Weg zur göttlichen Liebe zu erfahren und weiterzugeben, in dem sie diese mit einem natürlichen Menschen erfahren und sich der Göttlichkeit ihrer Zuneigung und Liebe durch eigene Betroffenheit bewusst werden. Im Übrigen muss erwähnt werden, dass das Gefühl des im Vordergrund steht und die körperliche Erfahrung sekundär betrachtet wird. Alles Materielle an sich wäre fad, würde nicht die Macht der Göttin wirken.

Ohne die Liebe ist jedes Opfer Last, jede Musik
nur Geräusch, und jeder Tanz macht Mühe.
- Rumi

Auch unterscheidet der Mystiker zwischen Lust, Zwang und Gier auf der einen Seite, die dazu führen das die Seele sich nicht weiterentwickelt und Freiheit, Sehnsucht und Liebe auf der anderen Seite. Eine Handlung aus (Be-)Gier(-de), eine körperliche Vereinigung ohne geistige Liebe gilt den meisten Mystikern als „falscher“, wenn auch zu gleich verführerischer Weg, da vieles gleich erscheint, doch gegensätzlich ist.

Was denkst Du, wer ich bin?
Ein Trinker?
Ein Sklave meiner Sinne?
Ein liebeskranker Irrer?

Wisse: Ich bin der König der Liebe!
Meine Seele ist von Lust befreit.
Meine Sehnsucht gereinigt von Begierde.
Mein Verstand ist frei von Scham.

Ich verließ den Bazar der Sinne.
Liebe ist mein Wesen.
Die Liebe ist Feuer – ich bin das Holz
-Ilyas ibu Yusuf Nizami

So sollen wahre Meisterinnen des Rausches tatsächlich allein mit ihren Worten, übermittelten Gedanken oder vollendeter Musik, andere in göttliche Ekstase versetzen können. Aus diesem Grund sind die Literatur, aber auch die Musik hoch geschätzte Künste mit denen sich fast jede Radschageweihte vortrefflich auskennt und die häufig Einzug in die Sekrs finden und deren Bedeutung auch von den anderen Kulten übernommen wurde. Vielen nicht geweihten Mitgliedern fällt der rein geistige Zugang zu Radscha dagegen schwer. Um diese Menschen aber nicht auszuschließen, unterstützen Geweihte solche Gläubigen indem sie ihnen als Mentor den Einstieg auch über den körperlichen Zugang, wie bspw. durch berauschende und elegante Tänze, erleichtern.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 07.07.2020 15:12

Ich nehme das anstehende Communitytreffen zum Anlass meine aktualisierte Fassung upzuloaden.

Ich habe die Spielhilfe noch einmal umfangreich überarbeitet und mit einigen Bildern aus dem Scriptorium versehen. Die aktuellste Fassung kann hier eingesehen werden.
Über Feedback eurerseits würde ich mich sehr freuen.

Ich wollte unbedingt vor dem Treffen noch das Dokument rausgeben. Seht es mir also nach, wenn der Text ohne Lektorat daher kommt (was man ihm anmerkt). Und natürlich ist das kein vollständiges Bild, sondern eher so "inselhafte" Darstellungen mit viel "Limbus" dazwischen :)

Ich hoffe es gefällt euch trotzdem. Falls ich jemanden in der Danksagung vergessen haben sollte (was mir sehr leid täte) oder die Person nicht drin stehen möchte, kann sie mich gerne per PN kontaktieren.

Viele Grüße
Euer Shirwan

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 10.04.2021 17:12

Hallo zusammen,

anbei einige (überarbeitete) zusammengefasste Formulierungen im Kontext des Taroffs, um die mich eine Mitspielerin gebeten hatte:

Übliche Formulierungen im Kontext des Taroffs
  • Ich hoffe Ihr seid nicht erschöpft von den Mühen des Tages: Häufig eingesetzte Formulierung zur Begrüßung oder zum Beginn des Gesprächs. Verwendung als präventiver Dank für die Mühen des Anderen (bspw. Gastgebern, aber auch Händlern, deren Laden/Stand man betritt).
  • Das ist eurer nicht wert: Um die eigene Leistung/Ware klein zu reden und Bescheidenheit für ein empfangenes Lob auszudrücken.
  • Möge euch die Hand nicht verderben/schmerzen: Als Dank für eine empfangene Handlung bzw. dem Resultat der Handlung (bspw. ein Essen oder Handwerksstück), auch Verwendung als „indirekte Zusage“ ohne aufs Angebot einzugehen möglich
  • Es ist mir süße Pflicht / Euer Ergebenster / Eure demütige Dienerin: Verwendung, um den Dienst als Pflicht zu kennzeichnen und damit die Notwendigkeit eines Dankes obsolet zu machen. Auch im Sinne einer "Erhöhung" des Gastes zu verstehen. Wird immer als Antwort auf einen (indirekten) Dank verwendet. Gelegentlich mit einem leicht "empörten" Unterton formuliert, um auszudrücken, dass man das als Kritik an den eigenen Tugenden interpretieren könnte und somit den Gegenüber etwas in die Verteidigung drängt.
  • Meine Erlaubnis sei euch stets gewährt: Ursprüngliche Verwendung als Antwort, wenn der Gastgeber den Gast, um die Annahme seines „Geschenks“ bittet. Die ursprüngliche Auslegung wäre damit: Ich vertraue dir so sehr, dass ich weiß, das was immer du machst richtig, gut und anständig ist, also bitte mach das, was du dir vorgenommen hast. Ein gutes Beispiel, wie lange bestimmte Sitten schon existieren und wie sie sich im Laufe der Zeit wandeln. Durch die jahrhundertelange Verwendung weitete sich der Kontext dieser Aussage immer weiter aus, so dass sie heute teilweise in Situationen verwendet wird, die in keinem oder nur sehr schwachen Kontext zur eigentlichen Formulierung stehen. In diesem Sinne steht das "Durchführen der Handlung" nicht mehr im Fokus, sondern das Vertrauen in den Anderen. Die heutige Interpretation ist also eher: Euer Verhalten ist tadellos und ehrt euch, habt dank. Verwendung als offene Dankesformel meist zum Beginn des Gesprächs.
  • Selbstverständlichkeiten zu loben ziemt sich nicht/Für Selbstverständlichkeiten bedarf es keines Danks: Verwendung, um die Bescheidenheit der eigenen Leistung zu betonen und gleichzeitig den anderen "in die Verteidigung zu drängen". Aufgrund der "Kritik" am Anderen vorzugsweise im vertrauten Kreis oder mit einem amüsierten Unterton zu formulieren.
  • Ich bin dessen nicht wert / ihr würdet mich in Scham zurück lassen: Verwendung kurz vor der Annahme der Leistung oder um eine Ablehnung einzuleiten oder zu verstärken. Damit ist die Interpretation sehr stark abhängig von den vorangehenden Formulierungen. Verwendung zumeist zum Ende des Gesprächs. Im Falle der Ablehnung muss diese durch eine zweite, meist abweichende Formulierung nochmals bekräftigt werden.
  • Mein Leben als Opfer…eurer Tugend, Höflichkeit, Mühen, Dienstes, häufig auch Mein Leben als euer Opfer: Einsatz universell als Antwort möglich. Man lobt hierdurch die Eigenschaft oder den Dienst des Gegenübers. An der Häufigkeit der Verwendung dieser Floskel erkennt man regionale Unterschiede. In Mhanadistan und in Gorestan wird sie deutlich seltener verwendet, um ihre Bedeutung umso wirksamer zu gestalten. In dicht besiedelten anderen Regionen, wie im Balash dagegen ist die Verwendung gerade im Alltag recht häufig, wenn nicht gar durchgängig, um auf Nummer sicher zu gehen.
Weiterhin werden natürlich auch die mittelreichischen üblichen Floskeln, wie vielen Dank, ihr entschuldigt, bitte und ähnliche verwendet. Kombiniere das Taroff auch gerne mit Karl May Formulierungen im Sinne von Mutter der Tugend, Vater der Gastfreundschaft, Tochter der Höflichkeit, Gebieter des Anstands etc.

Individuellere Formulierungen:
Anbei zwei Beispiele, um einfache Kenntnisse oder regionale Spezifika ins Taroff einzubringen. Der Gegenüber sollte die Aussage aber auch verstehen, pass die Aussagen also immer an den Empfänger an:

Ach Liebste, Bescheidenheit mag einer Blüte vom Khoram als Zierde dienen, doch du Werteste wandelst im Schein der Diamantenen
Beispiel bei dem man seine regionalen und historischen Kenntnisse einbringen kann. Khoram ist eine sehr ärmliche Gegend und es ist nur möglich sich durch Immaterielles (wie die Tugend der Bescheidenheit) oder natürlich Gegebenes zu „schmücken“, sprich sich von den anderen hervorzuheben, während man als Bewohnerin der Diamantenen (Khunchom) diese Art der Zierde nicht nötig hat, bzw. es viel mehr bedarf. Gleichzeitig drückt man aus dass die Gelobte in einer "ganz anderen Liga spielt". Diese Aussage kann als Reaktion auf den Ausdruck der Bescheidenheit der anderen Partei erfolgen und betonen, dass Bescheidenheit an dieser Stelle nicht notwendig ist. Gleichzeitig lobt man auf diese Weise die außergewöhnliche Handlung, den Herkunftsort und die damit einhergehende Kultur der anderen Person.

Ihr wandelt den Apfel zum Juwel
Verwendung vor allem in Aranien und meist als offene Antwort, um die Mühen des Anderen wertzuschätzen. Spielt auf das Juwel Araniens Al’Dabar an, der in einen Apfel verwandelt wurde und soll durch die Unmöglichkeit den Apfel zurück zu verwandeln, andeuten, dass die andere Person keine Mühen und Aufwände gescheut hat, um das Unmögliche zu vollbringen.

In ausschließlichen Gelehrtenkreisen werden gerne Bezüge zur Astronomie gezogen: So werden Selbstverständlichkeiten mit bestimmten wiederkehrenden Sternenkonstellationen illustriert oder fast unmögliche Bemühungen äußern sich darin, dass man bestimmte Wandelsterne (vorzugsweise deren Prinzipien zum Kontext passen) von ihrer üblichen Bahn ablenkt oder unmögliche Konstellation hinzuzieht. In ländlichen Regionen werden Bauernregeln zu einem ähnlichen Zweck verwendet.

Beispielhafte Skizze eines Gesprächsablaufs
  • Gast lobt die Kunstfertigkeit des Gastgebers, den Duft des Essens oder äußert auf eine andere Art sein Interesse
  • Gastgeber: Der Gastgeber dankt offen und unterbreitet das Angebot in einer einfachen Form
  • Gast: Dankt fürs Angebot und entschuldigt sich für die Mühen, die er dem Gastgeber bereitet hat. Gibt keine Antwort aufs Angebot, wenn er das Angebot annehmen möchte
  • Gastgeber: Übt Bescheidenheit aus in dem er den Aufwand kleinredet oder als seine Pflicht deklariert. Wiederholt das Angebot nun etwas intensiver oder bittet den Gast das Angebot anzunehmen
  • Gast: Bedankt sich und lobt die Tugenden, wie die Höflichkeit des Gastgebers und seine Bescheidenheit und negiert Letztere gleichzeitig, indem er sie als unangemessen bezeichnet oder die Kunstfertigkeit des Gastgebers in einer stärkeren Version lobt. Der Gast kann im Anschluss die Ware/Dienstleistung mit einem erneuten Dank empfangen.
  • Gastgeber: Erwidert den Respekt des Gastes in dem er die Tugenden eben jenes lobt. Anschließend überreicht er die Ware/Dienstleistung
  • Gast: Spätestens jetzt bedankt sich der Gast für das Überreichte. Nach dem Konsum spricht er ein, im besten Fall auf das Überreichte bezogenes, ausführlicheres Lob aus.
Zuletzt geändert von Shirwan am 07.09.2021 10:32, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Hina » 10.04.2021 17:53

Ich finde es richtig schoen, wie Du diese Entlehnungen elegant formulierst und aventurisch verknuepfst. Besonders das Apfeljuwel! Es macht richtig Lust, einmal wieder in wahrhaft zivilisierten Landen zu spielen.

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Ungelesener Beitrag von Samweis » 06.09.2021 21:16

Shirwan, danke für deine tolle Arbeit, die du hier hinlegst und hingelegt hast und danke für dein Wissen und deine Erfahrungen, die du mit uns teilst und die es sogar einem wortkargen Nordmann wie mir erlaubt, einen Tulamiden so zu verkörpern, dass ich dafür in meiner Runde gelobt werde. Auch, wenn es mir, immer noch sehr schwer fällt, macht doch langsam Übung den Meister und vor den meisten Spieltagen durchblättere ich deine Spielhilfe, um mir Inspirationen zu holen und meine bescheidenen Fähigkeiten zu verbessern und zu sehen, wie viel ich noch lernen kann. Deshalb ein großes Danke! Mein Ramsan ibn Ruban hätte es natürlich viel blumiger ausgedrückt.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 07.09.2021 10:29

Hallo @Samweis,

vielen lieben Dank für dein Feedback! Über solche Rückmeldung freue ich mich besonders, denn dann weiß ich dass die Spielhilfe ihren angedachten Zweck erfüllt. Ich wünsche die weiterhin viel Spaß mit deinem Tulamiden und helfe natürlich gerne aus, wenn du oder andere noch Fragen habt.

Liebe Grüße
Shirwan

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Ungelesener Beitrag von Samweis » 08.09.2021 22:18

Hallo Shirwan.
danke für deine Antwort. Dein Angebot dir Fragen stellen zu dürfen ist sehr großzügig. Ich möchte dich mit meinem einfachen Fragen auch nicht belästigen, aber tatsächlich sinne ich zurzeit über Fragen und deren Beantwortung nach und würde mich freuen, wenn du die Zeit und Lust dazu findest, sie mir zu beantworten. Zuerst eine Situationsbeschreibung. Ich habe es so verstanden, dass ich Vergleiche und Steigerungen verwende, um Menschen zu Loben. "Theresa, du Wissende der Magier laut wie eine Fanfare jubiliert mein kleines Herz, wenn ich deinen Äußerungen lausche, die von klarer Tiefe wie der blaue Bergsee und mitreißend wie die großen Donnerbäche sind." Ist das vom Prinzip richtig und wie häufig verwende ich solche Formulierungen, wie würde ich es alltagstauglicher insbesondere bei Gefahr in Verzug formulieren (Rondrian, Vater des Schwertes und nimmermüder Beschtzer unserer kleinen Gruppe, der hinterhältige Sohn eines Maders schießt mit einem Pfeil auf ... oh, äh hat geschossen,...) und wie nenne ich meine Gefährten im Alltag. Mit Superlativen "XXX, Vater der Alchimie. YYY, Krieger der Krieger. ZZZ, wahre Tochter der großen Lichtelfen. Oder würde ich einfach nur XXX, YYY, ZZZ zu ihnen sagen? Und eine letzte Frage noch. Ich habe einen Leibwächter, der früher mein Schwertausbilder war. WIe nenne ich ihn? Zurzeit rede ich ihn meistens mit Sahib an, weil ich vom Gefühl her denken würde, dass es sich nicht ziemt (anmaßend wäre) seinen ehemaligen Lehrmeister mit Bezeichnungen zu "loben.

Ich freue mich auf deine Antworten

Liebe Grüße Samweis

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 10.09.2021 10:22

Hi Samweis,

klar, wie gesagt, immer gerne.
Samweis hat geschrieben:
08.09.2021 22:18
Ich habe es so verstanden, dass ich Vergleiche und Steigerungen verwende, um Menschen zu Loben. "Theresa, du Wissende der Magier laut wie eine Fanfare jubiliert mein kleines Herz, wenn ich deinen Äußerungen lausche, die von klarer Tiefe wie der blaue Bergsee und mitreißend wie die großen Donnerbäche sind." Ist das vom Prinzip richtig und wie häufig verwende ich solche Formulierungen,
Ja, das ist grundsätzlich richtig. In der Literatur versucht man gerne Mal Kontextketten zu bilden. Im Prinzip hast du das zum Ende des Satzes auch auf Basis von "Wasser" gemacht (blauer Bergsee, großer Donnerbach). Wenn du möchtest, könntest du noch den Anfang entsprechend angleichen: Theresa, du sprudelnder Quell der Erkenntnis lässt den Doppelkelch meines Herzens (um auszudrücken, dass ihr Wissen dein Herz erfüllt") jubilieren, wenn [...]
Ich hatte mal für meinen Radschageweihten auf Basis der Wassermetapher folgende Formulierung gewählt (allerdings in einem anderen Kontext):
Wenn sie lachten, schufen sie einen Durst nach dem Wasser des Lebens, der nur vom Brunnen ihrer verheißungsvollen Lippen gestillt werden konnte

Üblicherweise verwendest du solch eine Ausführung nur, wenn du Zeit, Muße und Anlass hierfür hast.
In der Literatur erfolgen recht ausführliche Beschreibungen bei der Einführung oder erneuten Vorstellung eines Charakters. Das würde ich aufgreifen, sprich wenn du deine Gefährten vorstellst, kannst du da ein wahres Metapher-Feuerwerk veranstalten, genauso ziemt es sich jemand Höhergestelltes, wie einen Herrscher auf ähnliche Weise zu grüßen. Sich selbst übrigens so vorzustellen gilt als Zeichen der eigenen Unfähigkeit oder Arroganz, hier dürfen höchstens Nuancen oder nachweisbare Fakten hervorgehoben werden.
Samweis hat geschrieben:
08.09.2021 22:18
wie würde ich es alltagstauglicher insbesondere bei Gefahr in Verzug formulieren (Rondrian, Vater des Schwertes und nimmermüder Beschützer unserer kleinen Gruppe, der hinterhältige Sohn eines Maders schießt mit einem Pfeil auf ... oh, äh hat geschossen,...) und wie nenne ich meine Gefährten im Alltag. Mit Superlativen "XXX, Vater der Alchimie. YYY, Krieger der Krieger. ZZZ, wahre Tochter der großen Lichtelfen. Oder würde ich einfach nur XXX, YYY, ZZZ zu ihnen sagen? Und eine letzte Frage noch. Ich habe einen Leibwächter, der früher mein Schwertausbilder war. WIe nenne ich ihn? Zurzeit rede ich ihn meistens mit Sahib an, weil ich vom Gefühl her denken würde, dass es sich nicht ziemt (anmaßend wäre) seinen ehemaligen Lehrmeister mit Bezeichnungen zu "loben.
Bei den Persern gibt es hierfür Höflichkeitsbegriffe, die üblicherweise mit dem Vornamen verknüpft werden und von denen man sogar in Stresssituationen nicht abweicht. Ich würde das auch in DSA auf einen Zusatzbegriff reduzieren. Anbei einige irdische Beispiele auf Basis des Namens Rondrians:
  • Agha Rondrian: Mit Agha (Hauptmann/Offizier) betonst du die Manieren einer Person. Irdisch vergleichbar wäre bspw. "Herr Kavalier"
  • Rondrian Khan: Mit Khan (weiblich Khanum) (Herr) betonst du das hohe Ansehen / den Stand der anderen Person (vergleichbar "Hoher Herr"). Khan könntest du in DSA natürlich von Kha - Schicksal ableiten. Dann könnte Khan sowas wie Schicksalswahrer oder so bedeuten (um den Begriff zu aventurisieren)
  • Rondriandjan: Djan (mein Leben) betonst du die Zuneigung zu einer anderen Person. Das betrifft nicht nur Personen zu denen du in einer romantischen Beziehung stehst, sondern auch Familienmitglieder oder liebgewonnene Freunde
  • Ostad (Rondrian): Ostad (Meister) wird in der Regel einzeln verwendet und ersetzt dann den Vornamen. In dem Fall ist auch eine Kombination mit Agha zulässig. Ich würde, recht nüchtern, diese Anrede für meinen alten Lehrmeister verwenden. Du kannst damit aber jede gestandene Person, die sich der Lehre verschrieben hat oder in einem Handwerk fortgeschritten ist, anreden
Sehr selten, dann schon eher im Sinne eines Ehrennamens, ist es möglich die Person mit diesem Begriff anzureden. Auch in diesem Fall ersetzt der Begriff den eigentlichen Vornamen.

Anbei einige Beispiele aus der Literatur
  • Afrusa - Herrlicher Leib
  • Anoush - Unsterbliche Seele
  • Anushirwan/Anoushirwan - Behüter der unsterblichen Seele
  • Djahangir / Jahangir - Welteneroberer
  • Tamamtan - Vollender Leib
Wobei mittlerweile die Begriffe heutzutage auch als echte Vornamen verwendet werden...

Hoffe das hilft weiter.

Viele Grüße
Shirwan

P.S.: Sahib ist als Anrede im Irdischen gar nicht so verbreitet wie uns Karl May vermitteln wollte. Bei den Persern (und damit Indern und zum Teil Pakistani) heißt Sahib Besitzer, Inhaber, Eigentümer und soll damit ausdrücken, dass der andere eben jenen für dich darstellt, sprich übertragen du der Sklave des anderen bist (vergleichbar mit dem bayrischen Servus). Üblicherweise benutzten das nur Inder und Pakistani als Anrede, bei den Persern ist der Begriff, zumindest heutzutage, völlig unbekannt.

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Ungelesener Beitrag von Samweis » 10.09.2021 16:51

Super, JA, dass hilft sehr weiter! Danke für den Input. Deine Kontextkette ist sehr toll und etwas woran ich viel Spaß beim Üben haben werde, auch wenn ich über die Kontextketten gelesen hatte, hilft ein direktes Feedback natürlich sehr.
Die Höflichkeitsbegriffe machen das Spielen einfacher und schöner und geben mehr Raum um in besonderen Situationen die Metaphern loszufeuern ;)
Dazu noch zwei Fragen, wenn ich über mich selber rede, erniedrige ich mich dann? Ich habe das Beispiel im Taroff (?), so verstanden. Leider finde ich es nicht. Ich meine es war etwas, wie "Ich bin der Staub unter deinen Füßen." Oder gilt das nur im Taroff, Um ein Beispiel anzubringen: Ich schreibe (als Abenteuerberichte) regelmäßig Briefe an meinen Vater und Ende mit folgendem Satz : "
Bitte grüßt auch eure anderen von den göttergesegneten Söhne und unsere gesamte Familie von mir. Möge Aves weiterhin die Pracht deines Weges besingen, möge Feqz weiterhin deinen scharfen Verstand herausfordern, und Rahja dein Herz mit Wonne und Zuneigung für deine prächtigen Söhne erfüllen, unter denen ich der Nichtwürdigste bin.
"
Würde man sich auch Fremden gegenüber "erniedrigen" beim begrüßen, oder einfach nur bescheiden sein. "Man nennt mich Ramsan ibn Ruban ibn Dhachmani, Schüler der Magie der Elemente und Absolvent der ehrwürdigen Dracheneiakademie."

Und noch eine letzte Frage: Fallen dir noch Begriffe ein für die sehr schlaue und gelehrige Weißmagierin (18 Jahre, aus Ysilia,Bücherwurm) ein, vielleicht statt Tamatan, TamaGeist oder Geisttan? Vom persischen abweichend würde ich Begriff und Name gemeinsam verwenden, um es den anderen Spielern zu erleichtern. Thorsteyen Ayurvaban für unseren Alchimisten, Marina Anoush (finde ich für eine Elfin sehr schön), Rondrian Aghakhan für den Krieger (der wirklich von hochadliger Abstammung ist) Korjin Djahangir für den Leibwächter (zukünftiger Korgeweihter).

Schon einmal leiben Dank und Grüße.
Zuletzt geändert von Samweis am 13.09.2021 21:45, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Samweis » 10.09.2021 21:50

Und, wenn du wirklich viel Lust hast ;) Dann freue ich mich, wenn du du mir eine Rückmeldung zu folgenden Vorstellungen geben würdest. Ich fand die Idee schön, jedem meiner Gefährten mit einem Element in Verbindung zu bringen. (Als Luftelementarist, ist das größte der Elemente natürlich außen vor)

Edler des Reiches Rondrian Emer von Finsterkamm zu Nordhag, aufrecht und unbezwingbar wie ein Fels trotzt er den Brandung der Falschheit, sein Wissen überragt die Umstehenden groß wie der Finsterkamm und mächtig wie das Raschtulgebirge ist sein Schwertarm, Voll Schrecken fliehen die Feinde, wenn er im Kampf gleich eines Titanen des Erzes auf sie niederfährt. Doch lupenrein und edel ist der Rubin, der in ihm schlägt.

Adeptus Minor Marina Alwa Edle von Wolfwald aus der Nebeltänzersippe, der sprudelnde Quell der Güte, ihre Fähigkeiten spülen die Sorgen aus dem Doppelkelch eines jeden notleidenden Herzens, mitreißend wie die Donnerbäche sind ihre Wohltaten, tief, alt und unergründlich, wie das Perlenmeer ihre magischen Fertigkeiten und rar wie seine Perlen, erscheint sie selber auf dieser Welt, ist sie doch eine Tochter von Fluss und See, geboren und ausgebildet von Elfen und Menschen gleichermaßen, Absolventin des Seminars der elfischen Verständigung und natürlichen Heilung zu Donerbach.

Adeptus Minor Theresa XXX die Weiße, ihre Argumente zahlreich, wie die Schneeflocken in einem Schneesturm und ihre Gedanken so klar und scharf, wie Firuns Eiszapfen.Wie der Schneesturm selber ähnelt ihre Reinheit dem Weiß einer frühen Schneedecke. Groß wie das ewige Eis im Norden erscheint sie unter den Magiern der Lehranstalt: Wider den magischen Lug, Trug und Falschheit, dem Wahren und Guten und dem Aufbau Ysilias verpflichtet, und ihre sonst so kühlende (kühlend müsste in den Tulamidenlanden, doch etwas gutes sein?) Zunge scheint wie festgefroren, wenn man sie auf das Rohalsmal anspricht, welches sie für ihre immensen Leistungen erhalten hat.

Osted Korjin Rezzanjar, brennend wie das Feuer in der Nacht überstrahlt seine Persönlichkeit die Menge, wenn er vernichtend wie der große Vulkan Amran Nemoras unter den Feinden der Zwölfe wütet, doch wohltuend wie ein Herdfeuer schützt und versorgt er die, die zu ihm gehören. geschmiedet in den Feuergruben Fasars, zur Reife vollendet am Herd der großen Rieslandfahrers Ruban ibn Dhachmani, dem Seefahrer unter den Seefahrern Aventuriens.

Osted Thorsteyn Knutson, Die Weisheit der Bäume lebt in ihm, als Vater der Natur nennt er jede Pflanze per Namen, kennt ihre Wirkungen und extrahiert aus Ihnen die heilsamsten Tränke. Auch Tier und Mensch verstet er genau und vermag den schwarzen Hauch des Todes aus ihren Leibern zu vertreiben und das Leben wieder in ihnen sprießen zu lassen. Hoch wie eine Zypresse ist sein Wuchs unnd er gilt als Meister unter den Alchemisten an der Schule der Heilung und Genesung von Körper und Geist in den Hallen des Lebens zu Norburg.
Zuletzt geändert von Samweis am 13.09.2021 22:04, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 12.09.2021 15:55

Samweis hat geschrieben:
10.09.2021 16:51
Dazu noch zwei Fragen, wenn ich über mich selber rede, erniedrige ich mich dann? Ich habe das Beispiel im Taroff (?), so verstanden. Leider finde ich es nicht. Ich meine es war etwas, wie "Ich bin der Staub unter deinen Füßen." Oder gilt das nur im Taroff, Um ein Beispiel anzubringen: Ich schreibe (als Abenteuerberichte) regelmäßig Briefe an meinen Vater und Ende mit folgendem Satz : "
Bitte grüßt auch eure anderen von den göttergesegneten Söhne und unsere gesamte Familie von mir. Möge Aves weiterhin die Pracht deines Weges besingen, möge Feqz weiterhin deinen scharfen Verstand herausfordern, und Rahja dein Herz mit Wonne und Zuneigung für deine prächtigen Söhne erfüllen, unter denen ich der Nichtwürdigste bin.
Hi Samweis,
das kommt natürlich immer ein wenig drauf an. Grundsätzlich ziemt es sich seinen Gast immer als Höhergestellt zu einem selbst zu behandeln und darzustellen. Diesen "Höhenunterschied" kannst du immer auf zwei Arten erreichen: Entweder durch die Erhöhung des Anderen oder durch die "Erniedrigung" deiner selbst. Nun ist es aber in der Regel natürlich auch so, dass du wenn du Gäste hast jetzt nicht unbedingt ein tatsächlicher, großer sozialer Unterschied zwischen euch bestehen muss. Des Weiteren besitzt man natürlich auch einen gewissen Stolz, da ist eine zu tiefe "Erniedrigung" insbesondere gegenüber Nicht-Familienangehörigen oder gar Fremden tatsächlich sehr unüblich. Deswegen nutzt man in diesen Fällen gerne lieber den Weg der Erhöhung des Anderen oder spielt den tieferen Stand eher subtiler aus. Bspw. gehen diejenigen die in der Etikette versiert sind dazu über beim Anstoßen mit dem oberen Rand ihres Bechers den unteren Rand des Anderen zu berühren.

Die konkrete Formulierung "Ich bin der Staub unter deinen Füßen" ist so ziemlich das Ende des Spektrums. Das verwendet man sehr selten zum Zwecke der eigenen Erniedrigung. Die Formulierung verwendest du öfter mal offensiv. Du leitest damit deine Klage ein, sprich du sagst du warst bereit alles für den Anderen zu tun, hast dich selbst erniedrigt und er dankt es dir schlecht, denn [hier Klage erläutern]. (Bspw. Eltern wählen diese Option zuweilen :lol: )
Du kannst es defensiv nutzen. Ich entschuldige mich, da hast du meine Handlung falsch interpretiert, ich bin der Staub unter deinen Füßen, sprich, ich stelle dich über mich (bspw. wenn man in einer Beziehung Bockmist gebaut hat)... und die Dritte Möglichkeit ist als bewusste Übertreibung. Da werden dann in kurzer Abfolge sehr extreme Formulierungen dargebracht, wie bspw. ich bin der Staub unter deinen Füßen, dein ergebener Diener etc. Das soll ein wenig die übertriebene Anwendung solcher Höflichkeitsfloskeln dem Anderen begreifbar machen und stellt eine Bitte zu einem eher informelleren Umgang dar. Das sollte man aber mit viel Witz und entsprechender Gestik und Mimik darbringen, ansonsten stellt sich das ein wenig so dar wie "ich hab keinen Bock, Alter".

Wenn du deine Eltern ansprichst wählst du eigentlich fast immer die Erhöhung. Üblich sind dann Kombinationen aus formellen und persönlichen Begriffen. Sehr beliebt ist z.B. Aghadjan (siehe oben :wink: ), für den Vater oder Großvater. Wenn du es mehr Deutsch halten möchtest würde ich sowas wie "verehrte Mutter" oder Ähnliches wählen.
Wenn du über die Kinder von Eltern sprichst (und sein diese Kinder auch deine eigenen Geschwister) betonst du die Herkunft, die gemeinsame Wurzel dieser Kinder, sprich die (Erziehung der) Eltern. Hier finden florale oder botanische Metaphern Einzug, wie bereits oben genannte Wurzel, meistens aber sowas wie "ein Blumenstrauß an [...] ist eurem Stamm entsprungen" (es ist übrigens im Persischen nicht despektierlich oder unhöflich Männer mit Blumen zu vergleichen). Das wird dann bei Bedarf weiter ausgeführt (vom geraden Wuchs, wie der Stiel der Rosen [...] in Zorgan zu wachsen pflegt / ein Blumenbeet an süßen Weisheiten etc.).
Samweis hat geschrieben:
10.09.2021 16:51
Würde man sich auch Fremden gegenüber "erniedrigen" beim begrüßen, oder einfach nur bescheiden sein. "Man nennt mich Ramsan ibn Ruban ibn Dhachmani, Schüler der Magie der Elemente und Absolvent der ehrwürdigen Dracheneiakademie."
Nein, wenn du dich nur selbst allein vorstellst, würde ich das nicht machen (also mich selbst erniedrigen, zu bescheiden sein). Man darf nur nicht sagen, ich bin der große Magier, Bezwinger des [...], Erster unter den Söhnen [...]. Was aber zulässig und sehr häufig auch gemacht wird, ist seine Herkunft, seine Lehrmeisterin oder die Institution in der man gelernt hat zu erhöhen, denn als dessen Schüler ist man natürlich auch Erbe ihrer Fähigkeiten und Kind ihrer Erziehung und lobt sich damit quasi dann doch selbst. Deswegen achtet man fern von seiner Heimstätte besonders stark auf seine eigenen Manieren. Denn das Verhältnis ist ja doppelseitig, sprich man ist zwar Erbe, aber auch gleichzeitig Repräsentant. Eigenes Fehlverhalten wird dann im Fall der Kenntnis sofort auf die Heimat derjenigen Person übertragen. Was aber zulässig ist, aber dennoch arrogant klingt, ist das eigene Lob aus dem Mund einer dritten Person auszusprechen. "Ich bin Rondrian, doch allerorten pflegt man mich Djahangir zu nennen". Die dritte Möglichkeit, die allerdings nur situationsbedingt nutzbar ist, ist eine sehr offensichtliche Erniedrigung, die in einem für jedermann Sichtbaren Missverhältnis zu den eigenen Fähigkeiten steht, wenn man so möchte ein "orientalisches Fishing for Compliments". Die letzte Methode ist die dabei tatsächlich Üblichste, den Freundschaftsdienst der Lobesrede für einen anderen zu leisten. Sprich einer deiner Gefährten lobt dich. Wenn man die gesamte Gruppe vorstellt, ist es möglich, dass eine Person die gesamte Gruppe vorstellt, diese in den Himmel lobt und dann selber Bescheidenheit ausdrückt (hier wäre dann tatsächlich eine Erniedrigung sogar angebracht). "Ich der Geringste unter diesem Sternenregen der Tugenden / der Zierde ihrer Völker höre auf den bescheidenen Namen [...]" Üblicherweise ist das dann die Einleitung, das einer aus der Gruppe den Ball aufnimmt und die Vorstellung dann für dich zu Ende führt "Die Bescheidenheit dieses Mannes kennt nur in dem Meer jenseits Khunchoms seine Grenze [...]"
Samweis hat geschrieben:
10.09.2021 16:51
Und noch eine letzte Frage: Fallen dir noch Begriffe ein für die sehr schlaue und gelehrige Weißmagierin (18 Jahre, aus Ysilia,Bücherwurm) ein, vielleicht statt Tamatan, TamaGeist oder Geisttan? Vom persischen abweichend würde ich Begriff und Name gemeinsam verwenden, um es den anderen Spielern zu erleichtern. Thorsteyen Khajeh für unseren Alchimisten, Marina Anoush (finde ich für eine Elfin sehr schön), Rondrian Khan für den Krieger (der wirklich von hochadliger Abstammung ist) Korjin Ostad (später mal Djahangir) für den Leibwächter (zukünftiger Korgeweihter).

Schon einmal lieben Dank und Grüße.
Marina Anoush finde ich auch sehr schön, hat ich tatsächlich nicht dran gedacht.
Tamam heißt vollendet
Dana ist Wissen, Danai der/die Wissende. Das dem gleichen Wortstamm entspringende Daneshdju (persisch: Student- wörtlich: Wissensaneignender) tul. Adeptus ist auch offizielles Tulamidya
Tamamdanai wäre dann die "vollendet Wissende"

Ansonsten gibt es noch:
Ketab / Kitab = Buch
-ban oder -wan: Hüter, Bewahrer
-dad: Gegeben, Geschenk
Nour oder Mehr: (reines) Licht
Roshan / Roxana: die Leuchtende (altpersisch für Stern)
Darya: Meer

Bzgl. Eigenverwendung: Wie gesagt ich sehe das immer als ein Angebot für euch an, dass ihr ignorieren, teilweise oder vollständig nutzen könnt. Ich selbst verwende ja auch gerne mal ab und zu Karl May Formulierungen als Anknüpfungspunkte und kombiniere das. Fühl dich da also ruhig frei und gib mir gerne Feedback. Ich finde nachgestellte Beinamen tatsächlich auch klangvoller, für mich ist das aber einfach etwas ungewohnt mich da umzustellen.

Bzgl. des anderen Textes würde ich den mir gerne in Ruhe durchlesen und darauf antworten, das kann etwas dauern :(. Oder eilt es mit dem Text?

Viele Grüße
Shirwan

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Ungelesener Beitrag von Samweis » 13.09.2021 21:19

Hey Shirwan, Wau, ich danke dir vielmals für diese lange und eindrucksvolle Rückmeldung. Ich habe echt Freude beim Lesen deiner Texte, nicht nur, dass ich Anregungen für den weiteren Ausbau meines Helden erhalte, sondern auch die (kurzen) Einblicke in die fasznierende persische Kultur/ Sprache.
Shirwan hat geschrieben:
12.09.2021 15:55
Ich der Geringste unter diesem Sternenregen der Tugenden
.
Das hört sich einfach wieder so schön an, auch Tamamdanai was für ein toller Begriff sowohl im Deutschen, als auch die einfache Lautbildung.

Kann man Ayurvaban (Hüter der Heilung/Hüter des Lebens) sagen? Das habe ich mir aus ban und Ayurva (aus dem Wiki) zusammengebaut. (und schon wieder eine Frage)

(Eher für mich) Dann habe ich jetzt: Marina Anoush, Thorsteyen Ayurvaban, Theresa Tamamdanai, Rondrian KhanKetab, Korjin Djahangir

Bitte lass dir so viel Zeit, wie du benötigst für die Antworten. Ich freue mich dann, wenn du es schaffst. Ich werde auch nochmal versuchen, die Texte ein wenig besser zu schleifen.

Liebe Grüße und lieben Dank

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Ungelesener Beitrag von Shirwan » 14.09.2021 09:18

Hi Samweis,

freut mich, dass es dir gefällt :).
Zu den kleineren Fragen:
Ayuraban sollte passen. Ayura war mir jetzt nicht bekannt (wüsste auch nicht aus welcher irdischen Sprache das sein soll), hat aber eine schwache Ähnlichkeit zu Atvarya. Heilung wäre Shifa (im Arabischen, wie auch auf Ur-Tulamidya).
Bei Khan Ketab (ist er Rhodensteiner?) könnte man auch ein "al" dazwischen setzen, das geht im Tulamidya eigentlich immer :lol: (zugegeben: wird dann aber schon wieder etwas lang). Hüter der Heldengesänge oder Bewahrendes Gedächtnis der Heldengesänge, fände ich bei längeren Formulierungen auch ganz gut.

Viele Grüße
Shirwan

Samweis
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Ungelesener Beitrag von Samweis » 14.09.2021 17:34

Nee er ist kein Rhodensteiner, im Moment ist er ein adliger Krieger (SO 12) keine Ahnung welche Profession, laut Heldenbeschreibung ausgebildet von privaten Lehrmeistern,die auch viel Wert auf Wissen legen (ich glaube Vorteil akademische Ausbildung Gelehrter). Deshalb fand ich Khan Ketab schön, nicht als Hüter des Heldengesanges/ Buches sonder als Adliger des Buches, Adliger mit einem Buch, gelehrter Adliger, in diese RIchtung.

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Shirwan
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Einen Tulamiden spielen

Ungelesener Beitrag von Shirwan » 18.09.2021 23:10

Samweis hat geschrieben:
10.09.2021 21:50
Und, wenn du wirklich viel Lust hast ;) Dann freue ich mich, wenn du du mir eine Rückmeldung zu folgenden Vorstellungen geben würdest. Ich fand die Idee schön, jedem meiner Gefährten mit einem Element in Verbindung zu bringen. (Als Luftelementarist, ist das größte der Elemente natürlich außen vor)
Hi Samweis,
die Idee mit den Elementen, gerade bei den Tulamiden finde ich auch immer schön. Grundsätzlich gibt es bei solchen Texten erst einmal kein richtig oder falsch, es geht ja eher darum möglichst passende Metaphern in den DSA Kontext zu setzen. Das hast du ja bereits gemacht, ich kann jetzt nur anbieten ein paar andere Metaphern beizusteuern, aber ob sie dir und eurer Gruppe gefallen steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Samweis hat geschrieben:
10.09.2021 21:50
Edler des Reiches Rondrian Emer von Finsterkamm zu Nordhag, aufrecht und unbezwingbar wie ein Fels trotzt er den Brandung der Falschheit, sein Wissen überragt die Umstehenden groß wie der Finsterkamm und mächtig wie das Raschtulgebirge ist sein Schwertarm, Voll Schrecken fliehen die Feinde, wenn er im Kampf gleich eines Titanen des Erzes auf sie niederfährt. Doch lupenrein und edel ist der Rubin, der in ihm schlägt.
Das Gebirge ist ja für die Perser schon immer von Bedeutung gewesen und ähnlich wie in der japanischen Kultur werden einige Eigenschaften und Mythen eng mit diesen verknüpft. Dankenswerterweise ist das etwas was man in DSA übernommen hat. So steht der Raschtulswall und insbesondere der Djer Tulam als Zeichen der Ursprünglichkeit, des Beginns der "Menschheit". Thalami Sora steht für Schutz und Zuflucht.
Bei Waffen, Titanen (bzw. Giganten) und Erz entsteht bei mir persönlich die Assoziation mit den drei Sicheln, allen voran Sokramor. Da hättest du den Vorteil, dass sie von Kor (tulamidisch Khor) geführt wurde, der ja identisch mit dem tulamidischen Wort für Erz (Khor) ist. Mit Hazaphar hättest du aber auch eine weitere Gigantin.
Das mit der Brandung finde ich gut, dass könnte man allenfalls noch erweitern in dem man einen Vergleich zu einer konkreten Steilküste oder ähnliches aufführt (ggf. Elburum?).
Statt „voll Schrecken“ könnte man auch sowas „bricht selbst der Palast des Mutes in sich zusammen“ verwenden, um den Erdbebenaspekt einzubauen. Ferduzi nutzt dagegen lieber sowas wie „dass es einem Drachen das Herz zerfetzt“, denn wenn so jemand Mächtiges wie ein Drache Angst kriegt, dann muss das natürlich wirklich einen außerordentlichen Grund dafür geben.
Einen Rubin würde ich bei Erz nicht aufführen, außer es gibt dafür einen anderen Grund. Der Edelstein des Erzes ist der Diamant. Sein besonderer Aspekt der Ordnung und Struktur kommt insbesondere im Brillantschliff zur Geltung und er ist natürlich das Sinnbild der Kultur und vergangenen Glorie Tulamidistans bzw. des Diamantenen Sultanats. „Vollendeter Brillant“ ist im Persischen auch DAS Sinnbild einer perfekten, vollendeten Leistung. Ich würde den Diamanten/Brillanten dann nicht auf sein Herz sondern ggf. auf seinen Verstand/Wissen beziehen. Ich hab auch mal folgendes formuliert: […] Erstrahlt das Licht des Brillanten khunchomer Gelehrsamkeit auch in […]. Auch hast du hier im Deutschen ein „Wortspiel“ mit Brillant (speziell geschliffener Diamant) und brillant im Sinne von genial.
Samweis hat geschrieben:
10.09.2021 21:50
Adeptus Minor Marina Alwa Edle von Wolfwald aus der Nebeltänzersippe, der sprudelnde Quell der Güte, ihre Fähigkeiten spülen die Sorgen aus dem Doppelkelch eines jeden notleidenden Herzens, mitreißend wie die Donnerbäche sind ihre Wohltaten, tief, alt und unergründlich, wie das Perlenmeer ihre magischen Fertigkeiten und rar wie seine Perlen, erscheint sie selber auf dieser Welt, ist sie doch eine Tochter von Fluss und See, geboren und ausgebildet von Elfen und Menschen gleichermaßen, Absolventin des Seminars der elfischen Verständigung und natürlichen Heilung zu Donnerbach.
Kann ich eigentlich fast nichts mehr beisteuern. Ich fand deine unberührte Seebergmetapher (oben) noch schön, um das Unberührte der Salamandersteine zu thematisieren. Wenn du das Thema mit Mada(ya) noch einbringen willst, dann eignen sich so unberührte Seen natürlich noch als Spiegelmetapher (So rein und unberührt ist der See ihrer Seele, dass Mada meine, sie erblicke ihr eigenes Spiegelbild, wenn sie ihrer des Nachts ansichtig wird). Bei einer engen Verknüpfung (hier Menschen und Elfen) nutzen die Perser gerne die Formulierung „Kette und Schuss“ aus der Textilfertigung. Ansonsten gibt es wirklich unzählige Bezüge zum Wasser. Freigiebig wie der Mhanadi (im Original Nil), Licht-Wasser Kombinationen wie GwenPetryl, Rash Andra als Regenbringerin (die von Marina gebändigt wird) usw.
Samweis hat geschrieben:
10.09.2021 21:50
Adeptus Minor Theresa XXX die Weiße, ihre Argumente zahlreich, wie die Schneeflocken in einem Schneesturm und ihre Gedanken so klar und scharf, wie Firuns Eiszapfen. Wie der Schneesturm selber ähnelt ihre Reinheit dem Weiß einer frühen Schneedecke. Groß wie das ewige Eis im Norden erscheint sie unter den Magiern der Lehranstalt: Wider den magischen Lug, Trug und Falschheit, dem Wahren und Guten und dem Aufbau Ysilias verpflichtet, und ihre sonst so kühlende (kühlend müsste in den Tulamidenlanden, doch etwas gutes sein?) Zunge scheint wie festgefroren, wenn man sie auf das Rohalsmal anspricht, welches sie für ihre immensen Leistungen erhalten hat.
Schneesturm finde ich hier etwas unpassend.
Eine Alternative dazu (wie gesagt aus meiner Sicht) wäre es hier seine Kenntnisse aus mehreren Wissenschaften einzubringen (sowas haben persische Gelehrte auch immer gerne gemacht). Bspw: könnte man den Schneesturm durch den Schnee vom ersten Tag Hesindes (oder Madas Mutter, um es kryptischer zu formulieren) an den Hängen westlich von Mirina oder so ähnlich ersetzen. Hierdurch könntest du deine eigenen Kenntnisse in der Alchemie und der Geographie darstellen (und knüpfst zufällig an den Namen der Vorgängerin an (Marina / Mirina)).
Eine weitere Alternative wäre die Verbindung der Elemente durch den Raschtulswall. Da hättest du zum Einen das Gebirge selbst für Erz und dann unberührte Bergseen oder unberührten Schnee für die anderen Elemente (die Berge sind so hoch, die müssten eigentlich dort das ganze Jahr mit Schnee bedeckt sein).
Ja, die Kühle die den Fluch des Dürredämons mindert, ist natürlich positiv (und schwächt die ewigen Feinde Tulamidistans). Ich verwende gerne auch Meribaan als Mutter der Schneeschmelze oder Sinnbild einer „kühlen“ (hier im Sinne einer zurückhaltenden, nicht emotionslosen) Schönheit, die selbst den gefühlslosen Firun „bändigen“ konnte.
Die Formulierung „kühlende Zunge scheint wie festgefroren“, wäre im Persischen eher eine Beleidigung. Bei Rohal könnte man als Feqzgläubiger natürlich nochmal auf die Herkunft Rohals hinweisen.
Samweis hat geschrieben:
10.09.2021 21:50
Ostad Korjin Rezzanjar, brennend wie das Feuer in der Nacht überstrahlt seine Persönlichkeit die Menge, wenn er vernichtend wie der große Vulkan Amran Nemoras unter den Feinden der Zwölfe wütet, doch wohltuend wie ein Herdfeuer schützt und versorgt er die, die zu ihm gehören. geschmiedet in den Feuergruben Fasars, zur Reife vollendet am Herd der großen Rieslandfahrers Ruban ibn Dhachmani, dem Seefahrer unter den Seefahrern Aventuriens.
Hier könnte man jetzt den Rubin bringen. Ich verwende auch gerne mal den Begriff Fanal. Bspw. hatte ich für einen Diener des roten Gottes folgendes Lob gewählt: Das Feuer seiner Hingabe war uns ein Fanal der Hoffnung, das Bollwerk seines Glaubens jenen eine Stütze, deren Mut schon wie eine Kerze im Sturm erloschen war.
Die Sonne als heißestes Feuer oder Lichtbezüge sind beim Feuer natürlich auch möglich. In meiner Kampagne hab ich in Form eines Novadi NPCs, den Krieger folgendermaßen gelobt: […] durchbohrte er seine Feinde wie die Sonnenstrahlen unseres Herren die Finsternis. […] Sein Blick wachte über die Prinzessin, wie das Auge unseres Herren über den Himmel
Samweis hat geschrieben:
10.09.2021 21:50
Ostad Thorsteyn Knutson, Die Weisheit der Bäume lebt in ihm, als Vater der Natur nennt er jede Pflanze per Namen, kennt ihre Wirkungen und extrahiert aus Ihnen die heilsamsten Tränke. Auch Tier und Mensch versteht er genau und vermag den schwarzen Hauch des Todes aus ihren Leibern zu vertreiben und das Leben wieder in ihnen sprießen zu lassen. Hoch wie eine Zypresse ist sein Wuchs und er gilt als Meister unter den Alchemisten an der Schule der Heilung und Genesung von Körper und Geist in den Hallen des Lebens zu Norburg.
Den Zypressenwuchs hier im Kontext des Humus zu setzen finde ich genial. Ich würde aber diesen Baum-Thorsteyn Bezug als Basis meiner Ansprache nutzen. Und so wie der Baum des Lebens, spendet der Schatten seines Wirkens jenen […] die Krone seiner Gelehrsamkeit formt die Saat des neuen Lebens […], die Wurzeln seiner Kunst[…] Persische Universalgelehrte hatten als Ärzte, aber auch immer eine gewisse Ehrfurcht vor dem Leben und dem Tod und thematisierten dies auch in ihren Werken. Da DSA leider nicht so viele theologische Schriften kennt, sind Anleihen aus der Religion schwer. Ggf. könnte man sowas Ähnliches verwenden (so ins Unreine geschrieben): Die Tränen seiner Demut, gleichen jenen des Los und auch wenn sie dem Tod Tribut zollen (Los weint der Trauer um Sumus Tod wegen), so bringen sie den Gesegneten seiner Kunst neues Leben (aus seinen Tränen entstehen die ersten Lebewesen).
Möglich ist es auch Sinnbilder des Todes zu negieren (z.B. Kampher oder die letzte Waschung) oder, wie im Deutschen auch, dem Tod „seine gerechte Beute“ zu entreißen.

Hoffe das geht in die Richtung dessen, was du dir vorgestellt hast.

Viele Grüße
Shirwan

Samweis
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Ungelesener Beitrag von Samweis » 19.09.2021 13:35

Hallo Shirwan,
lieben Dank! Ja, dass ist genau der Input auf den ich gehofft habe und mehr.
Damit kann ich die Vorstellungen jetzt anpassen und vollenden.
liebe Grüße
Samweis

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