DSA4 Nachteil Uebler Gestank im Abenteuerleben

Von A wie Abenteuerpunkte bis Z wie Zwerg: Alles über Erstellung und Entwicklung von Charakteren.
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Ugo Baersgarjew
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Nachteil Uebler Gestank im Abenteuerleben

Ungelesener Beitrag von Ugo Baersgarjew » 07.10.2021 20:01

Hallo Leute,


bei den ein oder anderen Charakteren steht der Nachteil "Uebler Gestank" als empfohlen dabei.

Ich selbst hab diesen Nachteil noch nie bei einem Chrakter verwendet. Lediglich ein Zwergenspieler in unseren DSA 4 Startzeiten hatte diesen Nachteil was Stets fuer reibereien unter den Helden sorgte. Vorallem zwischen dem Zwerg und dem Elf. Und dann kam der Nachteil meistens nur dann zur Geltung wenn es darum ging einen Lagerplatz zu teilen.

Welche Erfahrungen mit diesm Nachteil habt ihr gesammelt?

Wie wurde die Art des Gestanks interpretiert und wargenommen (Mundfeule, Schweissgeruch, Koerperger ruch aller Ziegenbock oder usw)
In der Würze liegt die Kraft!

Und würzen kann man auch durch reduzieren.

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pseudo
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Nachteil Uebler Gestank im Abenteuerleben

Ungelesener Beitrag von pseudo » 07.10.2021 20:58

Für die 5GP sollte der Nachteil auch nicht zu sehr einschränken, dafür gibt es Stubenhocker und Einbeinig. Bei uns gab es bisher einen Charakter, der bei allen offiziellen Angelegenheiten draußen gelassen wurde, dafür aber problemlos im Gossengesindel untertauchen und Informationen sammeln konnte. Und nach der einen Mission, welche uns in die Kanalisation verschlug hatten wir alle den Nachteil für eine Woche.
Und deine genannten Beispiele sind alle möglich. Unser hatte einfach üblen Schweißgeruch. War also unter Winterkleidung weniger schlimm als im Sommer.
DSA 5 hat das Richtige gewollt und nur leider jämmerlich versagt.

Die dreiköpfige Echse von Nabuleth
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Nachteil Uebler Gestank im Abenteuerleben

Ungelesener Beitrag von Die dreiköpfige Echse von Nabuleth » 07.10.2021 21:39

Ugo Baersgarjew hat geschrieben:
07.10.2021 20:01
Welche Erfahrungen mit diesm Nachteil habt ihr gesammelt?
Bei DSA noch keine, IRL hatte ich weniger Glück.

Generell würde ich es dem Spieler überlassen, ob sein Held unter schlimmen Schweißfüßen leidet, einfach eine Aversion gegen das Waschen hat, ständig Zigarren aus fiesestem Mohacca pafft, durch dämonologische Experimente seiner Mutter während der Schwangerschaft nach alten Tatzelwurmpupsen stinkt etc. - es ist sein SC, er kann sich aussuchen, wonach und v.a. warum er müffelt und wie er sich damit fühlt. Wie man an der Auswahl sieht, kann das viel zur Charakterisierung beitragen, sodass man entsprechende Durftmarken setzen kann. Vielleicht kann der Held trotz verzweifelter Versuche, Abhilfe zu schaffen, nichts dagegen tun und quält sich richtig mit seinem Schicksal, vielleicht ist er verwahrlost, vielleicht ist ihm sein Aroma gar nicht bewusst (wenn man einem Geruch dauerhaft ausgesetzt ist, nimmt man ihn oft irgendwann gar nicht mehr wahr), vielleicht ist er auch einfach ein richtiger Drecksack, der es regelrecht genießt, jedem in seinem Dunstkreis nasale Qualen zu bereiten. Alles denkbar.

Die Auswirkungen sollten davon aber nicht betroffen sein. Er kriegt eben die entsprechenden Abzüge auf soziale Proben oder wenn das stattdessen ausgespielt wird, werden die passenden Reaktionen dargestellt. Nach dem, was ich selber in der Nähe übelriechender Menschen erleiden musste, läuft Letzteres erstaunlich oft darauf hinaus, dass man es den Leuten nicht ins Gesicht sagt, allerdings hinter ihrem Rücken ausgiebig lästert, selbst wenn man eigentlich nicht zu Lästereien neigt. Eklige Gerüche werden sehr schnell ein sehr ergiebiges Gesprächsthema, aber wenn man nicht sehr direkt und konfrontativ ist, besteht selbst bei absolut widerwärtigen Ausdünstungen eine große Hemmschwelle, die Quelle des Miasmas zur Rede zu stellen. Viele NSC werden dem Helden also eher die kalte Schulter zeigen, aber ein ungehobelter Thorwaler hätte wohl wenig Hemmungen zu fragen, ob hier irgendwo ein Krakenmolch verwest oder wer hier grade gebläht hat.

Man sollte auch bedenken, dass weite Teile Aventuriens keine mit unserer Zeit vergleichbaren Hygienestandards haben und auch die Grenze, ab wann man etwas eklig findet, höher liegt. Es gibt Ausnahmen, die Tulamiden achten bspw. sehr auf Reinlichkeit und Körperpflege, aber täglich duschen ist ohne einen gebundenen Wasserdschinn, einen Wasserfall vor der Haustür o.ä. Ausnahmesituationen einfach keine Option. Bloß Katzenwäsche machen und einmal die Woche ein Vollbad im Zuber muss den meisten Aventuriern reichen und wenn sie nicht reich sind, ist das Wasser im Zuber bereits benutzt. Ein Held mit diesem Nachteil fällt also logischerweise selbst hinter diese Hygienestandards zurück oder es gibt (s.o.) andere Faktoren, denen er seinen Pesthauch verdankt.

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Nachteil Uebler Gestank im Abenteuerleben

Ungelesener Beitrag von Desiderius Findeisen » 07.10.2021 22:07

Hygiene ist da raus:
„Übler Geruch lässt sich auch durch ein Bad nicht beseitigen - spätestens nach einer halben Stunde riecht der Held schon wieder; …“
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Ungelesener Beitrag von Maed » 08.10.2021 11:44

Ich habe mal einen Perainegeweihten mit einer Mischung aus Speisegeboten und üblem Gestank gespielt. Um seiner Göttin zu huldigen musste jede Mahlzeit ihre heiligen Pflanzen enthalten - Knoblauch und Zwiebeln (gerne auch mal roh im ganzen, als Snack für die Reise). :lol:

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Ungelesener Beitrag von Aryador » 08.10.2021 12:21

Die dreiköpfige Echse von Nabuleth hat geschrieben:
07.10.2021 21:39
Man sollte auch bedenken, dass weite Teile Aventuriens keine mit unserer Zeit vergleichbaren Hygienestandards haben und auch die Grenze, ab wann man etwas eklig findet, höher liegt. Es gibt Ausnahmen, die Tulamiden achten bspw. sehr auf Reinlichkeit und Körperpflege, aber täglich duschen ist ohne einen gebundenen Wasserdschinn, einen Wasserfall vor der Haustür o.ä. Ausnahmesituationen einfach keine Option. Bloß Katzenwäsche machen und einmal die Woche ein Vollbad im Zuber muss den meisten Aventuriern reichen und wenn sie nicht reich sind, ist das Wasser im Zuber bereits benutzt. Ein Held mit diesem Nachteil fällt also logischerweise selbst hinter diese Hygienestandards zurück oder es gibt (s.o.) andere Faktoren, denen er seinen Pesthauch verdankt.
Ich liebe, wie du den Begriff "Duftmarken" untergebracht hast.

Darüber hinaus halte ich selbst "einmal die Woche" je nach Stand und Region für bereits sehr wohlwollend geschätzt. Im europäischen Mittelalter gilt meines Wissens nach Stand der Forschung heute die Faustregel, dass einige Städter vermutlich so etwa einmal die Woche ins Badehaus gingen, auf dem Land sich aber weniger gewaschen wurde. Zumal das auch gar nicht unbedingt nötig ist, alleine von Schweiß und Staub am Körper wirst du nicht krank. Entscheidend ist eben vor allem, ob du Wunden säuberst oder Kontakt mit Fäkalien vermeidest.

In der Neuzeit war es ja noch schlimmer, da haben sich die Menschen in Europa noch viel seltener gewaschen als im Mittelalter und stattdessen alles mit Parfüm zugedeckt. Darauf waren sie dann sogar stolz und haben das für die Nachwelt entsprechend festgehalten. Jetzt muss das in Aventurien nicht zwangsläufig so verlaufen, denn solche Entwicklungen sind teilweise auch aus Zufall entstanden. Man kann sich auch ein Aventurien vorstellen, indem die Mittel- und Oberschicht des Technologiestands des 15. Jahrhunderts (wo wir uns ja auf Dere durchaus teilweise befinden) eben nicht zu Dreckschweinen verkommt (wobei umgekehrt die hohen hygienischen Standards des frühen Mittelalters ja wiederum unter anderem auf die Römische Infrastruktur zurückzuführen sind). Teilweise hatte das ja auch mit den Epidemien der Renaissance zu tun, sodass ganze Landstriche für Generationen auf die Idee kamen, durch Waschen werde der Körper empfindlicher für Pest-Infektionen.

"Einmal am Tag duschen" ist aber definitiv etwas, das voll und ganz ins 20. Jahrhundert gehört und mittlerweile ja sogar eher eine Gegenbewegung erfährt, weil Hautärzte raten, sich nur etwa zwei Mal die Woche zu Duschen und ansonsten geruchsintensive Körperstellen per Hand zu waschen.

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Ungelesener Beitrag von Assaltaro » 08.10.2021 12:53

Ich stelle mir aber irgendwie die Hygiene von Aventurien eher wie Antike (Rom und Griechenland war darin gar nicht so schlecht) vor als wie unser Mittelalter.
zumindest haben wir das immer so gespielt.
Gerade unsere SCs im Horasreich für Königsmacher und die in Aranien für Schleierfall sind sehr oft im Badehaus.
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Ja ich betreibe "Blümchen"-Rollenspiel und ich steh dazu.

Bin ich froh DSA5 zu spielen. Nicht mehr alle Kämpfer waren in der Fasarer Arena!

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Aus Liebe zu Aventurien ertrage ich die Regeln.
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Ungelesener Beitrag von Die dreiköpfige Echse von Nabuleth » 08.10.2021 13:10

Für Aranien ist häufiger Besuch im Hamam definitiv Teil des Hintergrunds, wie auch sonstige ausgiebige Körperpflege praktiziert wird (s. in DSA5 der Zaubertrick Aranische Rasur). Wie oben erwähnt, manche Regionen sind Ausnahmen - ich meine, auch Al'Anfa hat eine ausgeprägte Thermen-Kultur vom römischen Vorbild übernommen.

Gleichzeitig ist es aber bei den Tulamiden so, dass man über die ungepflegten Mittelreicher die Nase rümpft, woraus sich ableiten lässt, dass diese Reinlichkeit nicht universal ist.

Bei den Horasiern habe ich leider keine aktuelle Quelle (freue mich aber auf die gerade in der Mache befindliche RSH zur Sonnenküste) - mag sein, dass die als eine der rahjagläubigsten Kulturen des Kontinents sehr großen Wert auf Hygiene legen (Badebecken am Eingang des Tempels werden auch in mittelreichischen Rahja-Tempeln schon mal erwähnt), mag auch sein, dass es da das Phänomen "pudern statt baden" gibt, die Gesellschaft entspricht ja auch sonst am Ehesten der irdischen Frühneuzeit. Ich persönlich neige zu ersten Variante, aber das mag meinen Sympathien geschuldet sein.

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Ungelesener Beitrag von Aryador » 08.10.2021 15:04

Assaltaro hat geschrieben:
08.10.2021 12:53
Ich stelle mir aber irgendwie die Hygiene von Aventurien eher wie Antike (Rom und Griechenland war darin gar nicht so schlecht) vor als wie unser Mittelalter.
Wie gesagt, die Hygienestandards im europäischen Mittelalter waren insgesamt gar nicht schlecht und sind besser, als ihr Ruf. Miserabel wurden sie erst ab dem 14./15. Jahrhundert bis dann ins 18. Jahrhundert. Da galt Waschen als "ungesund", und es wurden allerlei Krankheiten angedichtet, die man sich durch Waschen zuziehen könnte, von der Pest bis zur Syphilis. Gereinigt wurde sich nur mit trockenen (!) Tüchern. Von mehreren Herrschern dieser Zeit ist verbrieft, dass sie sich ihr Leben lang nicht gewaschen haben. Louis XIV. oder James VI. zum Beispiel.

Wir können auch davon ausgehen, dass die Landbevölkerung sich nicht die Hände gewaschen hat, über Jahrhunderte hinweg nicht. Es gab ja überhaupt keine Vorstellung von "Bakterien". Jeder, der Kinder hat, weiß, wie schwierig es ist, Kindern das Konzept zu erklären, dass da unsichtbare Keime sitzen, die krank machen können. Was hingegen relativ früh den Menschen bewusst war, war, dass man möglichst Fäkalien nicht anfasst. Da es aber kein Toilettenpapier gab, wurde sich vermutlich einfach gar nicht am Hintern gereinigt. So eklig das klingen mag, ist das jetzt zunächst mal für den Organismus gar kein Problem, solange eben die Keime nicht ins Gesicht, an die Hände oder ins Essen wandern. Tiere waschen sich ja auch nicht den Hintern. Im Antiken Rom gab es in der gebildeten Stadtbevölkerung Schwämme in Salzwasser getaucht dafür, und in China wurde immerhin im 13. Jahrhundert das Toilettenpapier erfunden.

"Sauberkeit" und "Hygiene" und die dazugehörigen Definitionen waren und sind immer sehr stark kulturell geprägt. Wir lernen als Kinder was "eklig" ist, und das bleibt dann im Kopf und prägt uns. In vielen ostasiatischen Kulturen sind Straßenschuhe im Haus unglaublich ekelhaft, ich kann mich erinnern, dass in meiner Jugend galt: "Gäste dürfen ihre Schuhe immer anbehalten." Im Antiken Rom gab es eine Phase, in der Urin als besonders sinnvolles Mittel gesehen wurde, um Kleider zu waschen. Im 18. Jahrhundert wurde Urin benutzt, um sich die Zähne zu putzen.

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Ungelesener Beitrag von Die dreiköpfige Echse von Nabuleth » 08.10.2021 17:12

Was das Wissen um die medizinische Bedeutung von Hygiene angeht, ist Aventurien gerade erst am Anfang. Die Reinlichkeit bei den Tulamiden ist ästhetisch, nicht medizinisch motiviert. Hygiene im heilkundlichen Sinne scheint nur an der medizinischen Fakultät in Al'anfa bekannt zu sein:
IdDM, S. 64 hat geschrieben:Größte Leistung der letzten Jahre ist hier die Einbeziehung der Magie in die Heilkunde sowie die Herausstellung der allgemeinen Reinlichkeit als lebensverlängernd - gleichwohl beiderlei Wissen bislang nur im geschlossenen Zirkel der Granden bekannt (und finanzierbar) sind. (sic!)
Dass diese Wirkung darauf beruht, dass man damit auf der Haut sitzende Bazillen loswird, wissen die natürlich auch nicht - nur, dass Sauberkeit irgendwie gesundheitsfördernd zu sein scheint. Es fehlt eben das Mikroskop, um Bakterien zu entdecken. Irdisch gibt es die ersten Mikroskope kurz nach 1600, die für viele Menschen schockierende und eklige Entdeckung von Mikroorganismen haben wir 1676. Dazwischen liegt eine lange Periode, in der Mikroskope vor allem in niederländischen Kuriositätenkabinetten eingesetzt werden, bis Wissenschaftler anfangen, damit Gewebe zu untersuchen.

Einfache Mikroskope sollten auf dem Stand der aventurischen Optik machbar sein, aber natürlich muss erst mal jemand auf die Idee kommen, dann müssen die gut genug werden, um Mikroorganismen sichtbar zu machen usw.

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Ungelesener Beitrag von Aryador » 08.10.2021 17:30

Die dreiköpfige Echse von Nabuleth hat geschrieben:
08.10.2021 17:12
Es fehlt eben das Mikroskop, um Bakterien zu entdecken. Irdisch gibt es die ersten Mikroskope kurz nach 1600, die für viele Menschen schockierende und eklige Entdeckung von Mikroorganismen haben wir 1676.
Ja, aber selbst da sind wir noch lange nicht am Ziel. Im Grunde kam der eigentliche Durchbruch ja erst mit Ignaz Semmelweis, Louis Pasteur, Robert Koch oder Alexander Yersin. Wir sind da also definitiv im 19. Jahrhundert, und das passt eigentlich nicht zu dem Bild, das ich von Aventurien habe.

Gut, andererseits kann man natürlich spekulieren, ob die Existenz von Magie da irgend einen positiven Einfluss hat. Könnte aber auch einen eher störenden Einfluss haben, weil man angesichts der Existenz von Heilmagie und Heil-Liturgien quasi fast noch weniger darauf angewiesen ist, die Quellen von Krankheitskeimen zu entdecken, um sie wirksam bekämpfen zu können. Wenn man Krankheiten eh wegzaubern kann, ist es auch letztlich egal, ob sie durch "böses Miasma" verursacht werden, oder durch Mikroben und Viren.

Letztlich sind das alles übrigens total spannende "What if?"-Fragen, die aber leider meistens selbst in detaillierten Rollenspielen wie DSA eben nicht beantwortet werden, weil sie dazu führen würden, dass wir in einer deutlich anderen Realität spielen als der uns bekannten Vergangenheit. Das wiederum würde dann mehr Stress und Unsicherheit erzeugen, man könnte weniger leicht improvisieren und müsste erstmal nachlesen, wie genau die Realität in Aventurien ist. Außerdem müssten sich die Autoren diese Gedanken stellen, um sie überhaupt erstmal kanonisch zu verankern. Problematischer noch: Die Autoren hätten sich diese Gedanken in der Vergangenheit stellen müssen, denn jetzt dramatische Änderungen im Kultur- und Gesellschaftsverhalten einzuführen, käme ja einer Retcon gleich. Und dazu nehmen wohl dann viele Autoren und Spieler aus guten Gründen das dann doch alles nicht zu ernst, sondern haben eigentlich mehr Spaß daran, humorvolle, ironische kleine Verbeugungen der irdischen Vergangenheit in die Lore einzuflechten.

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Nachteil Uebler Gestank im Abenteuerleben

Ungelesener Beitrag von Ugo Baersgarjew » 08.10.2021 17:46

Aryador hat geschrieben:
08.10.2021 17:30
Ja, aber selbst da sind wir noch lange nicht am Ziel. Im Grunde kam der eigentliche Durchbruch ja erst mit Ignaz Semmelweis, Louis Pasteur, Robert Koch oder Alexander Yersin. Wir sind da also definitiv im 19. Jahrhundert, und das passt eigentlich nicht zu dem Bild, das ich von Aventurien habe.
Das ist fuer mich ja auch das was the importent shit in der ist. Wenn im Grunde alle daran gewohnt sind das eigentlich jeder ein strakes aroma hat, dann ist der Nachteil "uebler Gestank" nochmal ein gewaltiges mass Haeftiger.

Im Gegensatz frag ich mich dann auch wie wird jemand wargenommen der sich mittels Sapeftkta Zaubwerschwamm gereinigt hat oder wie empfindet derjenige die "Neue Aromawelt"?

Da wird der "Aeolitus Lieblicher Duft" zum wichtigsten Gesellschaftszauber :lol:
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Ungelesener Beitrag von Maed » 08.10.2021 22:38

Aryador hat geschrieben:
08.10.2021 17:30
Wenn man Krankheiten eh wegzaubern kann, ist es auch letztlich egal, ob sie durch "böses Miasma" verursacht werden, oder durch Mikroben und Viren.
Also Mikroben zerstören bei mir höchstens die Immersion. Wenn ich für mein Aventurien eine Erklärung für Krankheiten brauchen, ziehe ich den Mishkara Fluch Reichweite Berührung vor :lol:

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Ungelesener Beitrag von Wolfio » 09.10.2021 15:07

Ich kann diesen Link zu Unterrichtsmaterial zum Thema "Waschen im Mittelalter" empfehlen

https://materials.lehrerweb.at/fileadmi ... sch-A2.pdf


Der Mythos vom dreckigen, dunklen Mittelalter, in dem die Menschen alle dumm die Toastbrot waren, nichts von Sauberkeit hielten und ihre Kacke aus dem Fenster auf die Straße leerten, ist halt leider ein Mythos, welcher sich in der Frühen Neuzeit und Moderne etablierte, um sich selbst als "überlegen" darzustellen.

Auch im Mittelalter galt stinken und dreckig als "nicht schick" und "krankheitserzeugend". Nicht, weil man etwas von Viren, Keimen oder Bakterien verstand, sondern weil man eben krank wurde, wenn man ständig dreckig war.

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Ungelesener Beitrag von Wolfio » 09.10.2021 18:00

Nachtrag: Sehr schön hierbei:

Vom WDR:

"Dass es immer wieder Gesetze gab, die das Ausleeren der Töpfe aus dem Fenster verbaten, zeigt, dass es eine übliche Praxis war."

Über diesen Satz nachdenken. Etwas ist verboten und teilweise mit harten Strafen versehen --> Muss heißen, dass das viele bis fast alle gemacht haben, weil es üblich war, es so zu tun.

Ich geh dann mal meinen Nachbarn beklauen xD

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ChaoGirDja
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Ungelesener Beitrag von ChaoGirDja » 09.10.2021 22:26

Wolfio hat geschrieben:
09.10.2021 18:00
Nachtrag: Sehr schön hierbei:

Vom WDR:

"Dass es immer wieder Gesetze gab, die das Ausleeren der Töpfe aus dem Fenster verbaten, zeigt, dass es eine übliche Praxis war."

Über diesen Satz nachdenken. Etwas ist verboten und teilweise mit harten Strafen versehen --> Muss heißen, dass das viele bis fast alle gemacht haben, weil es üblich war, es so zu tun.

Ich geh dann mal meinen Nachbarn beklauen xD
Nunja... Würden nur 5 von 1000 ihren Nachtöpfe auf die Straße kippen, hätte es wohl so ein Gesetzt kaum geben. Noch dazu welche, die gerne heftige Strafen nach sich zogen...
Sicher, es war wohl kaum die Regel. In so weit irren sich die Autoren des WdR (und andere... Is nicht die einzige Doku die das ind er Form aufgreift) hier sicherlich.
Aber gänzlich daneben das werden sie kaum gewesen sein.
Zumal es ja nun durchaus zeitgenössische Berichte gibt, die ein solches Bild durchaus Stützen.

Dennoch danke für das Material. Interessant zu lesen :)
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.
Auch ein leichter Legastheniker mit Kontroll-Prog. finden nicht alle.

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Ungelesener Beitrag von Wolfio » 09.10.2021 23:17

Dafür gab es in der Stadt ja auch extra Reinigungen, die morgens die Nachttopfinhalte eingesammelt haben und etwaige Fäkalien von den Straßen gekehrt haben. Die "Problemphase" des Mittelalters bezieht sich vornehmlich auf einem Teil des Spätmittelalter (etwa 1370-1500). Was übrigens auf dem Dorf gerne mal vergessen wird: Brunnen und Teiche/Flüsse. Wenn ich heute eine Statistik aufsetzen würde, wie oft die Menschen "Baden gehen", würde da sicher schlechtere Ergebnisse rauskommen, als im gesamten Mittelalter. Schlicht, weil "Baden" den gesamten Part mit "Wassereimer übern Kopf" ignoriert :)


Und bezüglich der Gesetze: Es wird ein häufiger Verstoß gegen die Stadtordnung gewesen sein. Aber das ist "Altglas liegen lassen" bei uns heute auch, vor allem, wenn man in Studenten- und Partystädten lebt. Dennoch wäre die Aussage "Das machen die Menschen halt so" schwierig ;)

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Ungelesener Beitrag von Aryador » 10.10.2021 22:23

Wolfio hat geschrieben:
09.10.2021 15:07
Auch im Mittelalter galt stinken und dreckig als "nicht schick" und "krankheitserzeugend". Nicht, weil man etwas von Viren, Keimen oder Bakterien verstand, sondern weil man eben krank wurde, wenn man ständig dreckig war.
Die Frage ist eben immer, mit was man es vergleicht.

Dass die Hygiene-Standards im Mittelalter teilweise höher waren, als nach der Renaissance und insbesondere in der Frühen Neuzeit hatte ich ja selbst schon ausführlich dargelegt. Das heißt aber eben trotzdem nicht, dass sie aus der Perspektive eines Industrielandes des 21. Jahrhunderts, wo es für viele Menschen tatsächlich üblich ist, sich täglich zu duschen, vermutlich befremdlich "dreckig" waren. Dazu muss man nur mal nach Indien aufs Land fahren oder nach Südostasien in die Bergregionen, da wird sich auch deutlich seltener gewaschen. Und wie gesagt: Zwischen "nicht schick" und "krankheitserregend" ist bei Körperreinlichkeit eine ziemlich große Spanne. Du wirst nicht krank, wenn du deinen Körperschweiß nicht täglich abwäscht, deinen Hintern nicht säuberst oder dir nach dem Sex nicht die Genitalien reinigst. Was tatsächlich Humbug ist, sind Menschen, wie wir sie in Mittelalterfilmen häufig sehen, mit dreckverschmierten Gesichtern.

Darüber hinaus ist die Quellenlage bezüglich der Landbevölkerung des Mittelalters nicht gerade üppig. Das meiste, was wir wissen, wissen wir nach wie vor aus den Städten, aus den Klöstern und vom Adel; logischerweise, denn die konnten schreiben und hatten auch die Muße, es zu tun.

Letztlich ist es natürlich auch egal. Die meisten Leute spielen Rollenspiel, um Spaß zu haben, und sich Menschen vorzustellen, die nicht den Reinlichkeits- und Hygiene-Standards der eigenen Gegenwart entsprechen, macht normalerweise keinen Spaß und ist für viele Leute eher mit Ekel verbunden. Also soll und darf jeder sich sein Aventurien und den Körpergeruch seiner Helden so sauber vorstellen, wie er möchte - wäre jedenfalls meine Meinung dazu.

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Ungelesener Beitrag von sagista » 10.10.2021 23:20

Die Diskussion um Hygiene im Mittelalter ist ja ganz spannend, trifft aber den Kern des Nachteils "Übler Geruch" nicht so ganz, weil man ja aus der Beschreibung herauslesen kann, dass es bei diesem Nachteil nicht um ein Problem mangelnder Hygiene handelt, sondern ein Problem ist, das nicht in den Griff zu bekommen ist.
Ich kann mir tatsächlich kein Heldenkonzept vorstellen, bei dem dieser Nachteil eine überlegenswerte Option wäre. Es ist ja eben ausdrücklich nicht der ungewaschene Untergrundtyp, der sich so unter das Gaunervolk mischen kann, sondern der Gestank widert alle andere Wesen an.

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Ungelesener Beitrag von Die dreiköpfige Echse von Nabuleth » 10.10.2021 23:46

sagista hat geschrieben:
10.10.2021 23:20
Ich kann mir tatsächlich kein Heldenkonzept vorstellen, bei dem dieser Nachteil eine überlegenswerte Option wäre.
Wie oben schon erwähnt, mir ist noch nie ein SC mit dem Nachteil untergekommen. Genau so wenig wie Hässlich I-II. Körperlich abstoßende Helden scheinen nicht sehr beliebt zu sein und ich hätte selber auch keine Lust drauf, einen entsprechenden Charakter zu spielen. Aber so weit, dass es konzeptionell völlig unvorstellbar ist, würde ich nicht gehen. Dass man bspw. so schlimme Mauken hat, dass selbst nach dem Waschen nur ne halbe Stunde vergeht, bis alle wieder komisch gucken (was exakt der Regelung des Nachteils entspricht), macht einen doch nicht unspielbar. Andere Nachteile, die Abzüge auf soziale Proben geben wie Arroganz, Eitelkeit oder Weltfremd werden andauernd von Spielern gewählt, ohne dass es wen stört.

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Ungelesener Beitrag von sagista » 11.10.2021 00:13

Ich sagte ja nicht, dass ein SC dadurch unspielbar würde. Zumindest meinte ich das nicht.
Vielleicht hätte ich "kein für mich in Frage kommendes Heldenkonzept" schreiben sollen, um meine Intention zu verdeutlichen.

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Dr. Arca
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Ungelesener Beitrag von Dr. Arca » 15.10.2021 00:18

Den Nachteil "Übler Geruch" interpretiere ich gern entweder für Zigarrenraucher, die dann nach kaltem Rauch, oder Alkoholiker (gut kombinierbar mit Sucht: Alkohol), die nach kaltem Bierschweiß stinken bzw. eine ständige Alkoholfahne haben.

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